Der Bund ist größter Sportsponsor
Spitzensportler in Uniform

Viele deutsche Olympiateilnehmer verdienen ihr Geld bei Bundeswehr und Bundespolizei.

Selten war mehr Party im Deutschen Haus: Fast jeden Abend werden in Sestriere in 2 035 Metern Höhe Medaillen gefeiert. "Wir gehören zu den besten Sportnationen der Welt", sagt Ulrich Feldhoff, oberster deutsche Leistungssportplaner. Feldhoff, Vizepräsident des Deutschen Sportbundes (DSB), hat bei Sommerspielen einige Enttäuschungen einstecken müssen. Bei den Spielen in Turin ist sich der 68-Jährige nun sicher, dass die deutsche Mannschaft glänzend abschneiden wird. Ein Platz unter den besten drei Nationen scheint fest gebucht - Feldhoff glaubt sogar an Platz 1 im Medaillenspiegel, wie 1998 in Nagano.

Das Erfolgsgeheimnis? "Unsere Strukturen stimmen. Die Konzepte der Leistungssportförderung gehen bis auf wenige Ausnahmen wie Eiskunstlauf auf." Fest zu diesem Konzept gehören die Bundeswehr und die Bundespolizei (der frühere Bundesgrenzschutz). Von den 160 deutschen Startern bei "Torino 2006" beziehen 73 Sold von der Bundeswehr. Mit den 81 Spitzensportlern der Bundespolizei, erhöht sich die Quote der uniformierten Staatsdiener auf 63 Prozent. Bei den Sommerspielen ist der Anteil mit 35 Prozent geringer.

22 Sportfördergruppen mit etwa 700 Stellen unterhält die Bundeswehr, 190 davon für Wintersportler. Die Athletinnen und Athleten müssen die Grundausbildung absolvieren, erhalten danach aber großzügige Freistellungen für Training und Wettkämpfe. "Der Sport ist ein Aushängeschild für Deutschland", sagte Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung bei seiner Turin-Visite, als er den Biathlon-Olympiasieg des Oberfeldwebels Michael Greis und die Dreifach-Triumph der Rodel-Soldatinnen erlebte.

Spitzensportler in Uniform haben in Deutschland Tradition. Im Mai 1968 forderte der Bundestag die Bundesregierung auf, " bei der Bundeswehr Fördergruppen einzurichten, die soweit wie möglich an die Leistungszentren der Sportverbände angelehnt werden sollten". Erstmals erstellten das Verteidigungsministerium und der DSB 1971 Regeln für die Fördergruppen. Voraussetzung für die Aufnahme ist die Zugehörigkeit zu einem Leistungskader des DSB. Talentförderung findet beim Bund nicht statt, aber ausgebildete Athleten können stark profitieren. Sonst gerieten vor allem Amateursportler in Existenznöte, denn selbst Olympia-Stars finden oft nicht genügend Sponsoren.

Der Bund ist damit der größte Sportsponsor in Deutschland; 2005 investierte er 133 Mill. Euro, "um deutschen Sportlerinnen und Sportlern Chancengleichheit im internationalen Wettbewerb zu sichern", wie es das Innenministerium formuliert. In diesem Jahr sinkt die Summe auf 127 Mill. Euro, kündigte der für Sport zuständige Parlamentarische Staatssekretär Christoph Bergner an. "Wir hoffen, 2007 die gleiche Summe zur Verfügung zu haben. Wenn nicht, werden wir nicht bei den Sportlern kürzen, sondern auf Einsparungen durch Umstrukturierungen setzen."

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