Der Fußballer gibt zu, dass er für Ante S. einen Kollegen zur Manipulation anstiften wollte
Steffen Karl findet sich gar nicht dumm

Es war ein kleines, aber wichtiges Detail, auf das sich die Berliner Staatsanwaltschaft keinen Reim machen konnte. War der Fußballer Steffen Karl wirklich so naiv, bei einem Anwerbungsversuch zur Spielmanipulation am Telefon seinen eigenen Namen nennen?

BERLIN. Seit Montag ist die Staatsanwaltschaft klüger. Tatsächlich meldete sich im Mai 2004, wenige Tage vor dem Fußball-Zweitligaspiel Cottbus gegen Regensburg, ein Mann beim damaligen Cottbuser Torhüter Georg Koch und sagte: "Hier ist Karl." Seit Montagnachmittag weiß man nun auch, dass Steffen Karl tatsächlich versucht hat, dem Kollegen eine Manipulation schmackhaft zu machen. Karl legte bei seinem Geständnis vor der Staatsanwaltschaft allerdings Wert auf das Detail, dass er sich nicht mit Steffen Karl, wie Georg Koch behauptet haben soll, "sondern nur mit Karl" gemeldet habe. Karl sagte nach Informationen des Tagesspiegel, dass Ante S., einer der mutmaßlichen Drahtzieher des Wettskandals, ihn dazu überredet habe, Koch anzurufen. Damit bestätigte Karl eine Aussage von Schiedsrichter Robert Hoyzer, der Spiele angeblich ebenfalls im Auftrag von Ante S. manipuliert haben will.

15 000 bis 20 000 Euro sollte Karl dem Kollegen Koch versprechen. Karl, der gegen Auflagen seit Montagabend wieder aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, fand die Namensnennung gar nicht "dumm". Unter Fußballern sei es üblich, so offen miteinander umzugehen, soll er der verblüfften Staatsanwaltschaft mitgeteilt haben: Er sei davon ausgegangen, dass Koch als Fußballkumpel verschwiegen sei, wenn er sein Angebot ablehnen würde, hat Karl argumentiert. Ganz unberechtigt war diese These nicht, schließlich dauerte es von Mai 2004 bis Januar 2005, bis sich Georg Koch öffentlich äußerte. Da wurde der Skandal längst öffentlich diskutiert.

Steffen Karl, der unter anderem bei den Bundesligavereinen Borussia Dortmund und Hertha BSC spielte, ist nach Robert Hoyzer die zweite Person, die Ante S. schwer belastet. Die Staatsanwaltschaft hat mit seinen Aussagen bestätigt bekommen, was sie durch das Geständnis Hoyzers wusste. Neue Erkenntnisse soll die Vernehmung Karls aber nicht gebracht haben. Der Anwalt von Ante S., Klaus Gedat, wollte sich am Dienstag nicht zu den Vorwürfen äußern.

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