BerlinLance Armstrong hasst Verlieren. Der Mann betrachtet das Leben nach eigenen Worten als immerwährenden Wettkampf. Die öffentliche Demontage nach den massiven Doping-Anschuldigungen empfand sogar der krisengestählte Texaner als schmerzhaft.
Am Montag bekam der 41-Jährige die nächste Quittung für seine Lebenslüge: Der Radsport-Weltverband UCI erkannte Armstrong alle sieben Tour-de-France-Titel ab und sperrte ihn lebenslang. UCI-Boss Pat McQuaid erklärte, der gefallene Rad-Held habe es verdient, vergessen zu werden.
Noch am Freitag hatte Armstrong mit Freunden und Hollywood-Stars in seiner Heimatstadt Austin die Jubiläumsgala zum 15-jährigen Bestehen seiner Krebsstiftung „Livestrong“ gefeiert. „Es ging mir schon mal besser, aber auch schon mal schlechter“, hatte er in seiner Rede vor den knapp 1500 Gästen zugegeben und dabei gelächelt. Armstrong lächelt gern, wenn er unter Druck steht.
Und das tut er gewaltig: Armstrong droht nun auch die Rückzahlung von Prämien in Millionenhöhe. Die US-Versicherungsfirma SCA Promotions hatte dem Amerikaner während dessen Karriere nach eigenen Angaben rund zwölf Millionen Dollar ausgezahlt und erwägt nun rechtliche Schritte gegen den früheren Radprofi. „Herr Armstrong ist nicht länger offizieller Gewinner irgendeines Tour-de-France-Rennens und als Ergebnis ist es unangemessen und unzulässig von ihm, jegliche Bonuszahlungen von SCA zu behalten“, teilte SCA-Anwalt Jeffrey Dorough mit.
Unmittelbar vor der Tour de France 2004 erscheint das Buch „L.A. Confidential“, in dem die beiden Journalisten David Walsh und Pierre Ballester schwere Doping-Vorwürfe gegen Lance Armstrong erheben. Der US-Amerikaner scheitert vor Gericht mehrfach mit dem Versuch, sich in dem Buch äußern zu dürfen.
Wegen Sportbetrugs wird der Sportarzt Michele Ferrari zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Der Italiener arbeitete lange mit Armstrong zusammen. Vom Vorwurf, Radsportler mit Dopingmitteln versorgt zu haben, wird Ferrari aus Mangel an Beweisen jedoch freigesprochen.
Sein ehemaliger Betreuer Mike Anderson erklärt vor Gericht, 2004 „ein verbotenes Medikament“ in Armstrongs Badezimmer gefunden zu haben. Der reagiert darauf mit einer Schadensersatzklage.
Armstrong gewinnt zum siebten Mal die Tour de France und beendet danach seine Karriere.
Die französische Sportzeitung „L'Equipe“ berichtet, dass in sechs Urinproben von Armstrong aus dem Jahr 1999 das Dopingmittel EPO nachgewiesen wurde. Die Proben waren eingefroren worden und konnten dem Bericht zufolge eindeutig Armstrong zugeordnet werden. EPO ist erst seit 2001 nachweisbar.
Eine vom Weltverband UCI eingesetzte Kommission spricht Armstrong von den 1999er Doping-Vorwürfen frei. Die weltweite Anti-Doping-Agentur WADA nennt den UCI-Bericht „fast schon lächerlich“.
Armstrong kündigt für 2009 sein Comeback an.
Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD schlägt Armstrong vor, die sechs Proben der Tour de France 1999 nochmals zu testen. Der US-Amerikaner lehnt das ab.
Armstrongs ehemaliger Teamkollege Floyd Landis gibt öffentlich zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben. Der Tour-Sieger von 2006 beschuldigt in diesem Zusammenhang auch Armstrong des Dopings. Der weist die Anschuldigungen zurück.
Nach den Aussagen von Landis kündigen die US-Behörden an, die Ermittlungen gegen Armstrong auszuweiten. Es geht jetzt nicht nur um die Einnahme unerlaubter Mittel, sondern auch um die Frage, ob das Sponsorengeld des amerikanischen Postdienstleisters US Postal dazu genutzt wurde, um Dopingmittel zu finanzieren.
Armstrong erklärt sein endgültiges Karriereende.
Tyler Hamilton ist der nächste ehemalige Teamkollege, der schwere Doping-Vorwürfe gegen Armstrong erhebt. „Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat“, sagt der Zeitfahr-Olympiasieger von 2004 dem TV-Sender CBS.
Die US-Staatsanwaltschaft stellt ihre Doping-Ermittlungen gegen Armstrong ein.
Der Welt-Triathlonverband WTC gibt eine Kooperation mit Armstrong bekannt. Für sechs Starts kassiert seine Krebs-Foundation „Livestrong“ eine Million Dollar. Die erste Teilnahme soll im Oktober 2012 sein.
Armstrong wird Zweiter beim Ironman 70.3, einem Wettkampf über die halbe Distanz. Zum Dopingtest müssen nicht wie üblich die ersten drei, sondern die Athleten auf den Plätzen vier bis sechs.
Die nationale Anti Doping-Agentur USADA erhebt in einem Schreiben schwere vorwürfe gegen Armstrong. Proben aus den Jahren 2009 und 2010 sollen „vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden.“ Armstrong wird sofort für alle Wettbewerbe gesperrt.
Der WTC gibt bekannt, dass Armstrong wegen der laufenden Ermittlung nicht an Wettkämpfen teilnehmen darf. Der Ironman in Nizza am 24. Juni findet ohne den 40-Jährigen statt.
Ein Gericht in Austin erklärt die Ermittlungen der USADA gegen Armstrong für rechtens. Der Texaner muss entscheiden, ob er eine Schiedsgerichts-Verhandlung will oder eine drohende lebenslange Sperre der USADA akzeptiert.
Armstrong teilt in einem Statement mit, dass er den Kampf gegen die Anschuldigungen aufgibt. Ihm droht nun die Aberkennung seiner Tour-Titel.
Der Radsport-Weltverband UCI hat das Urteil der US-Anti-Doping-Agentur USADA bestätigt. Armstrong verliert damit alle sieben Tour de France-Titel von 1999 bis 2005 und wird mit einer lebenslangen Sperre belegt.
Die gefallene Rad-Ikone äußerte sich bis Dienstagmorgen zunächst nicht selbst, ließ aber zumindest den Hinweis auf die Erfolge bei seinem Twitter-Konto verschwinden. „Erziehe meine 5 Kinder. Kämpfe gegen Krebs. Schwimme, bike, laufe und golfe, wann immer ich kann“, war als Beschreibung seines Profils zu lesen. Bis Montagabend lautete der Text: „Vater von 5 tollen Kindern, 7-maliger Tour de France Gewinner, Vollzeit-Krebsbekämpfer, Teilzeittriathlet.“
Seine sportliche Karriere ist nach der Sperre durch den Radsport-Weltverband UCI endgültig beendet, der Ärger um das durch die US-Anti-Doping-Agentur USADA nachgewiesene Doping noch lange nicht. Der 41-Jährige muss unter anderem die Rückzahlung von knapp drei Millionen Euro an Tour-de-France-Preisgeldern fürchten. „Nach Jahren des Leugnens bricht Armstrongs Strategie zusammen“, schrieb „USA Today“.
Welchen Anteil der Prämien-Gesamtzahlungen von zwölf Millionen Dollar SCA zurückverlangen will, blieb zunächst unklar. Das Unternehmen aus Dallas hatte Armstrong nach einem gerichtlichen Vergleich 2006 alleine 7,5 Millionen Dollar für den Gewinn seines sechsten Erfolgs bei der Frankreichrundfahrt 2004 überweisen müssen. Der Texaner hatte SCA verklagt, nachdem die Firma die Gelder wegen Dopingverdächtigungen einbehalten hatte. Tailwind Sports, Besitzer von Armstrongs Team US Postal, hatte bei SCA eine Versicherung über den Bonus abgeschlossen.
Nach Nike und anderen Sponsoren hatte im Brillenhersteller Oakley ein weiterer Geldgeber die Zusammenarbeit mit Armstrong beendet. Sein Anwalt Tim Herman betonte allerdings, dass es seitens der Sponsoren bisher keine Rückzahlungsforderung der Gelder gegeben hat. „Ich habe nichts gehört und erwarte es auch nicht“, sagte Herman.
Indes hat auch der norwegische Ex-Radsportprofi und Teamkollege von Armstrong Steffen Kjærgaard (39) die systematische Einnahme von EPO zugegeben. Kjærgaard wurde Dienstag von seinem Posten als Sportchef beim nationalen Radsportverband suspendiert.
Er habe „15 Jahre mit einer Lüge gelebt“, sagte der 2000 bis 2003 bei Armstrongs damaliger Mannschaft US Postal als Helfer beschäftigte Norweger. Durch die gegen Armstrong in dieser Woche veröffentlichten Dopingvorwürfe der US-Agentur USADA sei er gezwungen worden, sich wieder mit „den dunklen Lügen auseinanderzusetzen“. Das verbotene Ausdauermittel EPO will Kjærgaard auf eigene Initiative eingenommen haben.
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