Deutsche Eishockey-Liga
Puckjäger auf dünnem Eis

Trotz des neuen TV-Vertrags und konstanter Zuschauerzahlen: Zum Start der heutigen Pre-Playoffs schleppt das deutsche Eishockey einige Altlasten mit sich. Die größten Probleme sind hausgemacht.
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Dirk Wroblewski war nicht kleinlich, wenn es um seinen Lieblingsklub ging. Seit er 2007 beim Eishockey-Zweitligisten Hannover Indians das Ruder übernommen hatte, stopfte er Jahr für Jahr Finanzlöcher. Und zwar aus der eigenen Tasche, sagt er. Doch jetzt ist auch seine Geduld erschöpft. Ende Februar stellte Wroblewski für die Indians einen Insolvenzantrag.

Gründe kann Wroblewski einige aufzählen: Am Ende waren es zu wenige Sponsoren und VIP-Fans, die Geld in die Kasse spülten. Außerdem wisse niemand, wie es in der kommenden Saison mit der zweiten Eishockeybundesliga weitergehe. Ein Dauerstreit der Funktionäre stellt die Zweitligisten ins sportliche Abseits: Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) und die Spielbetriebsgesellschaft der zweiten Liga ESBG stehen ohne gemeinsame rechtliche Basis für eine Zusammenarbeit da. „Es fehlt die Perspektive“, sagt Wroblewski.

Das Beispiel ist typisch für das deutsche Eishockey. Klamme Vereine, Kompetenzgerangel zwischen DEB und Ligen, eine strauchelnde Nationalmannschaft. Mit dem Beginn der Playoffs, steht der Sport vor altbekannten Problemen – auch Vereine der Beletage wackeln.

Erst in dieser Woche wurde der EHC München gerettet – durch den Einstieg des Getränkeherstellers Red Bull. Auch die Düsseldorfer EG kämpft noch um ihre Existenz. Rund eine Million der vier Millionen Euro für den Saisonetat fehlt. Schon im vergangenen Jahr sicherten die Stadt Düsseldorf und private Gönner das Überleben des Vereins mit einer millionenschweren Finanzspritze. Ende März fällt die Entscheidung: Falls es nicht gelingt, das Geld aufzutreiben, muss der rheinische Traditionsklub Insolvenz anmelden, oder aber mit einem abgespeckten und kaum konkurrenzfähigen Kader in die neue Saison starten.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke sucht den Grund für solche Schwierigkeiten vor allem bei den Klubs: „Wirtschaftliche Probleme sind in aller Regel lokal bedingt und nicht strukturell von der DEL verursacht“, sagt er. „Immerhin haben seit 1997 alle Teams die Saison ordnungsgemäß beenden können.“ Dennoch musste in der fast zwanzigjährigen DEL-Geschichte ein gutes Dutzend Vereine die Liga wegen finanzieller Probleme am Saisonende verlassen.

Dabei ist das Potenzial groß: Der Zuschauerschnitt in der DEL liegt bei stabilen 6.000 pro Spiel. Und von den Umsätzen her ist die DEL hinter dem Profifußball die erste Verfolgersportart. Mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 86 Millionen Euro liegt die Liga in Deutschland vor den ersten Spielklassen im Handball und Basketball.

Gerade Red Bull sorgt für eine Sonderkonjunktur – nicht nur durch die Rettungstat in München. Servus TV, der Sender des österreichischen Limonadenkonzerns, ging eine Partnerschaft mit der DEL ein: So werden seit dieser Saison die DEL-Spiele im frei empfangbaren Fernsehen gesendet. Der Deal ist doppelt wertvoll. Und aus Sicht der Handballer und Basketballer ein Grund neidisch zu werden. Denn es gibt nicht nur angeblich drei Millionen Euro TV-Geld pro Saison, die TV-Reichweite müsste eigentlich auch ein gutes Argument für die Sponsorensuche der Vereine sein.

Doch es könnte besser laufen, bestätigt Simon Papendorf, Head of Sales & Operations bei der Sponsoring-Beratung IFM Sports. Zwischen erster und zweiter Liga besteht anders als in anderen Sportarten keine Durchlässigkeit. Vereine der ESBG können nur aufsteigen, wenn ein Klub freiwillig aus der DEL ausscheidet. Das hat der Kooperationsvertrag zwischen dem DEB und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) aus dem Jahr 2012 zementiert. Diese Regelung soll Erstligaklubs vor dem wirtschaftlichen Risiko eines Abstiegs schützen und ihnen mehr Planungssicherheit geben.

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