Deutsche Rennpferde weltweit begehrt
Riskanter Galopp hart am Abgrund

Heute beginnen in Iffezheim bei Baden-Baden die letzten wichtigen Rennen des Jahres. Viele Vereine bangen jedoch um ihr Überleben.

BADEN-BADEN. Auf die Galopprennbahn nach Iffezheim bei Baden-Baden am Fuße der Schwarzwaldberge kommen sie alle gern. Zur Großen Woche im Sommer begrüßte Bernhard Prinz von Baden als Präsident des veranstaltenden Internationalen Clubs von Baden-Baden nicht nur den Ministerpräsidenten Günter Oettinger, sondern auch diverse Größen des Showgeschäfts wie Dieter-Thomas Heck, Tony Marshall, Roberto Blanco, Michelle Hunziker und Alexandra Kamp. Auf der Rennbahn in der 4 500 Einwohner-Gemeinde Iffezheim findet von heute bis Sonntag das letzte große Galoppsport-Ereignis der deutschen Saison statt: 450 Pferde sind in der Auktionshalle an zwei Tagen zum Kauf im Ring und auf dem grünen Rasen gibt es hochkarätige Rennen, allein am Sonntag drei Prüfungen der Europa-Gruppen-Kategorie. „Das wird auf keiner anderen deutschen Bahn geboten“, sagt Manager Klaus Zellmann.

Der Bahn in Iffezheim geht es inzwischen auch wieder einigermaßen gut, wenn sie auch nach schwer wiegenden Geldsorgen immer noch sparen muss. Insgesamt aber plagen viele Rennvereine existenzgefährdende, finanzielle Sorgen. „Die Situation der Vereine ist insgesamt sicher schwierig“, sagt Galopper-Dachverbandspräsident Jochen Borchert. Rechtsanwalt Jan-Antony Vogel, Präsident des Rennvereins von Neuss und Vorsitzender der Betriebsgesellschaft Galopp (BGG), dem Zusammenschluss aller Rennveranstalter, ergänzt: „Die Vereine sind mit dem reinen Rennbetrieb nicht mehr lebensfähig. Langfristig müssen neue Konzepte entwickelt werden, um die Durchführung der Rennen sicherzustellen.“

Der Grund für den Niedergang: Die Wetterträge sind in den vergangenen dramatisch zurückgegangen. Das lag aber keineswegs an einem zu geringen Interesse am Sport der schnellen Pferde, sondern an den veränderten Rahmenbedingungen. Die Vereine produzieren die Rennen – das eigentliche Angebot – aber Profiteure der Wetterträge sind längst nicht mehr wie einst nur sie selber, sondern eine Vielzahl von Internetanbietern und privaten Buchmachern, die ihre Wetten über Steueroasen wie Gibraltar, Bosnien-Herzegowina und Malta abrechnen. Sie bieten ihren Kunden einen hervorragenden Service und treten bei den hilflosen Rennvereinen nassforsch als Heilsbringer und vermeintlich großherzige Sponsoren auf. Den gebeutelten Vereinen bleibt nur die gute Miene zum merkwürdigen, aber legalen Spiel der Scheinheiligkeit.

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