Deutsches Tennis
Stiller Abschied vom Centre Court

Becker und Graf - Namen, die immer noch für großes Tennis stehen. Doch die goldenen, deutschen Tennisjahre sind lange vorbei - und die Suche nach einem neuen deutschen Tennisstar ist bisher erfolglos.Kritiker machen dafür vor allem die veraltete Ausbildung verantwortlich. Sie fordern vom Verband eine radikale Neuausrichtung.

KÖLN. Als Jugendlicher war Maximilian Abel einer der besten Tennisspieler der Welt. Mit 17 Jahren wurde er Vize-Weltmeister bei den Junioren. Abel sollte die goldene Ära des deutschen Tennis fortsetzen und zum Nachfolger von Boris Becker und Michael Stich werden. Doch er versagte: In acht Profijahren kam er über Platz 183 in der Weltrangliste nicht hinaus. Heute taucht der 26-Jährige gar nicht mehr im Ranking auf.

Abel ist mehr als nur sportlich gescheitert. Wegen Kokain-Konsums hat ihn der Weltverband gesperrt. Beinahe wäre der frühere Shooting-Star sogar im Gefängnis gelandet, weil er Scheckkarten von Nachbarn und Bekannten gestohlen hatte. Nebenbei soll ihn eine Edel-Hure verklagt haben, weil er sie um ihren Lohn geprellt hat.

Das Elend des Maxi Abel steht stellvertretend für das deutsche Tennis, das wie sein ehemaliges Supertalent einen neuen Tiefpunkt erreicht hat: Seit langem findet sich kein Deutscher mehr unter den ersten Zehn der Welt. Top-Spieler wie Nicolas Kiefer, Tommy Haas und Rainer Schüttler haben die 30 überschritten – ein Alter, in dem andere längst bei den Senioren spielen.

Seit nun 13 Jahren hat kein Deutscher mehr ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Bei den derzeit stattfindenden Australian Open hat keiner der hiesigen Vertreter die dritte Runde überstanden – das ist das schlechteste Abschneiden seit fünf Jahren. Und der Nachwuchs gilt international bestenfalls noch als zweitklassig.

Wegen der anhaltenden Erfolglosigkeit haben Zuschauer, Medien und Werbewirtschaft längst das Interesse am Tennis verloren. Beim größten deutschen Turnier am Hamburger Rothenbaum ließ sich das im vergangenen Jahr beobachten: Die zwei weltbesten Spieler, Rafael Nadal und Roger Federer, lieferten sich ein hochklassiges Finale. Das Deutsche Sport-Fernsehen aber brach mitten im Spiel die Übertragung ab – und zeigte alte Fußballspiele.

Angesichts des gesunkenen Stellenwerts hierzulande ist es nur allzu verständlich, dass die internationale Spielerorganisation ATP dem Hamburger Turnier darauf den Masters-Status entzog – und so zur Veranstaltung der dritten Kategorie degradierte. Das bedeutet weniger Weltranglistenpunkte, weniger Preisgeld und weniger Prestige. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) klagte gegen die ATP-Entscheidung, scheiterte, und zahlte mehrere Millionen Euro an Anwaltskosten.

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