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DFB-Elf mit drei Stürmern gegen Slowenien

Auch wenn es in Slowenien nur 7 500 Euro Prämie gibt, wollen die deutschen Nationalspieler trotzdem einen Fortschritt auf dem Weg zur Titelreife bei der WM 2006 nachweisen.

dpa MARIBOR. Auch wenn es in Slowenien nur 7 500 Euro Prämie gibt, wollen die deutschen Nationalspieler trotzdem einen Fortschritt auf dem Weg zur Titelreife bei der WM 2006 nachweisen.

Mit drei Stürmern und einer neu formierten Youngster-Abwehr peilt Jürgen Klinsmann im Mini-Stadion von Celje den sechsten Sieg im neunten Länderspiel unter seiner Regie an. "Das 4-3- drei ist eine Variante. Wir müssen den Stil nach vorne weiter prägen, formen und verinnerlichen. Ich hoffe, dass wir einen Schritt vorankommen", sagte Klinsmann nach der Ankunft in Maribor, wo die DFB-Auswahl unterhalb der am Berg Pohorje gelegenen und noch von Skiläufern befahrenen Weltcup-Piste Quartier im Hotel "Habakuk" bezog.

Auch Oliver Kahn unterstrich die Bedeutung der Partie im 11 000 Zuschauer fassenden "Petrol Stadion" im 60 Kilometer von Maribor entfernten Celje: "Wir wollen gewinnen, denn wir wollen mit einem guten Gefühl in die zwei Monate Pause bis zum Confederations Cup gehen", sagte der 35-Jährige, der dieses Mal wieder das Tor hüten darf. Für einige Wackelkandidaten wie Rückkehrer Oliver Neuville und das Bremer Trio Frank Baumann, Tim Borowski und Christian Schulz ist Slowenien praktisch auch die letzte Chance, sich für den 23-köpfigen Kader beim Confed-Cup (15. bis 29. Juni) zu empfehlen.

Vor Kahn, der sein 77. Länderspiel bestreitet, verteidigt eine Viererkette, in welcher der 25-jährige Berliner Arne Friedrich in seinem 25. Länderspiel noch der älteste und erfahrenste ist. Im Blickpunkt stehen aber ohnehin die Stürmer, die zuletzt in ihren Vereinen allerdings kein Trefferglück hatten. Die Torflaute soll mit dem 4-3-3-System enden, das man schon während der Asien-Reise Ende vergangenen Jahres beim 3:0 gegen Japan in der Formation Asamoah, Klose, Podolski "sehr beeindruckend" umgesetzt habe, so Klinsmann.

"Wir haben die Spieler dafür. Podolski kann über Links kommen, Neuville über Rechts", erläuterte der 40-Jährige. Insbesondere dem 19-jährigen Kölner Podolski bescheinigte er aktuell eine "rasante Entwicklung". In der Mitte dürfte Kuranyi den Vorzug vor Klose erhalten. Abgeschirmt von Torsten Frings und Frank Baumann soll Kapitän Michael Ballack hinter den Spitzen für Schwung und Torgefahr sorgen. "Wir wollen einen sehr schnellen Spielaufbau und den Gegner unter Druck setzen. Das ist unser Vorhaben", erklärte Klinsmann, der in der Spielauffassung einen Kontrapunkt zu seinem Vorgänger Rudi Völler setzt: "Das Minimum bei uns werden immer zwei Spitzen sein."

Wie sehr die Nationalspieler Klinsmanns WM-Marschroute inzwischen verinnerlicht haben, dokumentierte am Freitag ausgerechnet Kahn, der als Torhüter zunächst an einer starken Defensive interessiert ist. "Man hat nur eine Chance, wenn man das Spiel selbst bestimmt und nach vorne spielt", sagte Kahn. Die EM im vergangenen Jahr, bei der die deutsche Elf in der Vorrunde ausschied, sei der Beweis gewesen. "Das ist die Zukunft des Fußballs." Allerdings müsse eine Balance zwischen Offensive und Defensive, Tempo und Ball halten gefunden werden: "Wer das versteht, hat die Möglichkeit, große Titel zu gewinnen."

Genau das wollen die deutschen Spieler, erst Recht, nachdem sie die Rekordsumme von 300 000 Euro für den WM-Titel ausgehandelt haben. "Ich bin froh, dass das Thema vom Tisch ist", meinte Kahn: "Jeder weiß jetzt, wie viel man verdienen kann, wenn man Weltmeister wird. Aber das ist zweitrangig für mich." Der Titel sei die "viel größere Motivation", versicherte Kahn. Immerhin 7 500 Euro handelte Kapitän Ballack beim Prämien-Poker mit der DFB-Spitze rückwirkend mit Beginn der Klinsmann-Ära für jedes Freundschaftsspiel aus. So darf sich Spitzenverdiener Bastian Schweinsteiger, der immer dabei war, auf ein unverhofftes Oster-Geschenk von 67 500 Euro freuen.

Durch die in der Öffentlichkeit heiß diskutierte Summe steht das Team allerdings auch besonders in der Pflicht - auch gegen die vom ehemaligen Bundesliga-Profi Branko Oblak trainierten Slowenen. "Wir können uns nicht erlauben, sie auf die leichte Schulter zu nehmen", sagte Kahn. Klinsmann verwies als Warnung auf einen 1:0-Sieg der Slowenen gegen Italien vor einem halben Jahr.

Entschlossen wandte sich Klinsmann auch gegen die vor allem von Bayern-Trainer Felix Magath erneuerten Einwände, er würde von den Nationalspielern zu früh eine zu große Konzentration auf die WM verlangen. "Wir können uns diesem Großereignis nicht mehr entziehen. Diese WM wird alles überstrahlen, was zuvor war. 14 Monate sind ruckzuck um." Auch hier ist Kahn auf einer Wellenlänge mit dem Bundestrainer: "Auch die Bundesliga-Vereine profitieren von der Zugkraft der WM. Eine größere Motivation für einen Spieler gibt es nicht. Und auf eine WM bereitet man sich nicht 14 Tage vorher vor, sondern das ist ein Prozess." In Slowenien geht er weiter.

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