DHB-Generalsekretär zu TV-Rechten
„Dieses Problem hat auch der Fußball“

Die DKB rettet den Handball – zumindest die Übertragung der WM nach Deutschland. DHB-Generalsekretär Mark Schober spricht im Interview über die Rechtevergabe, und warum die auch in Zukunft ein Problem bleibt.
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Rettung auf den letzte Drücker: Gerade, als es so aussah, dass deutsche Handball-Fans von der WM in Frankreich nichts zu sehen bekämen, hat sich der Sponsor der Handball-Bundesliga, die Deutsche Kreditbank (DKB), die Übertragungsrechte gesichert. Für die Tochter der Bayerischen Landesbank ist das ein PR-Coup, erhöht sie so doch mit einem Schlag massiv ihre Bekanntheit – und gewinnt als Retter an Image dazu. Doch gerade für den deutschen Handball ist die gesicherte Übertragung ein Glücksfall. Mark Schober, Generalsekretär des Deutschen Handballbunds (DHB) über das Problem mit den Übertragungsrechten, die steigende Belastung und die Chancen bei der WM.

Herr Schober, der Handball-WM drohte in Deutschland ein TV-Blackout, was ist schief gelaufen?
Rechteinhaber und TV-Sender haben sich nicht einigen können, aber wir sind froh und erleichtert, dass es jetzt doch ein für jedermann freies Bewegtbildangebot gibt: Die DKB hat die Rechte erworben und zeigt die Spiele der WM unter handball.dkb.de als kostenfreien Livestream. Das ist ein für den Handball in Deutschland wertvolles Engagement.

Warum gab es keine TV-Lösung?
Bei der Übertragung der Handball-WM haben wir es konkret mit einem Overspill-Problem zu tun.

Overspill-Problem?
Genau, dieses Problem hat auch der Fußball. Wenn Sie sich in Deutschland im ZDF beispielsweise ein Champions-League-Spiel anschauen, kann es parallel auch europaweit gesehen werden. Sie können über Europa hinaus bis nach Nordafrika über das Astra-Signal das deutsche Fernsehen empfangen. Das ist beispielsweise in Österreich nicht so. Wenn sie in Österreich über Astra empfangen, dann empfangen sie ein verschlüsseltes Programm. Das Overspill-Problem beim Handball wird derzeit leider auf unserem Rücken ausgetragen.

Wer ist dafür verantwortlich?
Ich will gar nicht sagen, wer da in welcher Form irgendwie schuld ist. In Deutschland haben wir einen speziellen TV-Markt, es ist ein Free-TV-Markt, anders als zum Beispiel in England. Bei uns ist das TV-Signal unverschlüsselt, und das zu ändern ist nicht einfach.

Welche Rolle spielt der Rechteinhaber BeIN Sports?
BeIN Sports als eigener Sender hat in Frankreich die Handball-WM-Rechte. Ausgestrahlt wird die WM in einem Pay-TV-Kanal von BeIN Sports. Wenn dieser Pay-Inhalt in einem anderen Land auf einem unverschlüsselten Kanal kostenlos zu sehen ist, entsteht das jetzige Problem. Allerdings kann man sich natürlich darüber streiten, ob das wirklich ein Problem für die Spiele Deutschland gegen Chile oder Deutschland gegen Saudi-Arabien ist.

Kann man sagen, dass es ein Fehler des Handball-Weltverbands war, die Rechte an BeIN Sport zu verkaufen?
Man kann nicht sagen, dass die Internationale Handballföderation (IHF) völlig unschuldig wäre. Aber zum damaligen Zeitpunkt als sie den Vertrag abgeschlossen haben, glaube ich nicht, dass das in irgendeiner Form mutwillig war.

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