Die Bunker werden beim Golf am Reisbrett entworfen
Verführerischer Feind

Bunker sind Warnung und Wegweiser zugleich. Sie fordern die Spieler heraus - und bringen sie zur Verzweiflung. Immerhin sind sie so fair und lassen den Golfern eine Chance. Ein Report über das interessanteste Hindernis auf dem Golfplatz.

Thomas Himmel ist kein böser Mensch. Er macht nur seinen Job. Trotzdem kann es passieren, dass der Münchner Golfarchitekt am Zeichenbrett sitzt und plötzlich, nach ein paar Strichen, Ziffern oder Ideen ein maliziöses Lächeln auf seinem Gesicht trägt. Dann hat Himmel wahrscheinlich gerade einen Bunker auf einem Golfplatzplan eingezeichnet und hofft, dass sein Einfall "die Spieler bald zur Weißglut bringen wird". Die Sandlöcher, findet Himmel, sind das interessanteste Hinderniselement im Golf. "Beim Teich heißt es ?Leben oder Sterben?", sagt Himmel, und nur, wer noch nie Golf gespielt hat, denkt, diese Worte seien eventuell zu groß gewählt, um so etwas Banales wie Sport zu beschreiben.

Das Wasser und das Nichts (sprich das "Aus") sind absolute Hindernisse, ein Bunker aber ist ambivalent. "Beim Bunker hat man eine Chance", sagt Himmel, "sie sind spielbar und gerade deshalb eine große Herausforderung." In der Frage "Soll ich das Grün angreifen oder den Bunker lieber umspielen?" manifestiert sich das strategische Potenzial des Golfspiels. "Die Bunker sollen den Spieler zum Denken bringen", sagt Thomas Himmel. Es ist überraschend, wie gut ein paar Tonnen Sand die Gedanken in Schwung bringen können. Auf dem Golfplatz, so scheint es, verwandelt sich Quarzstaub in ein Zauberpulver.

Jeder Bunker, jedes mickrige Sandhindernis auf einem mittelklassigen Fairway in einem unbedeutenden Provinzklub ist ein Denkmal für die Ursprünge des Golfspiels. Denn die Sandhindernisse begleiten das Spiel seit seiner Entstehung vor ein paar hundert Jahren in den schottischen Küstenregionen.Um sich vor Wind zu schützen, gruben Schafe Löcher in das Gras, Wind und Wetter machten aus den kleinen Mulden große Sandlöcher, mit denen sich die Hirten bei ihrem Freizeitvergnügen arrangieren mussten. Die Bunker waren Teil ihrer Lebenswelt. Schafe und Wind machten den Job, für den es in der ausdifferenzierten Gesellschaft Leute wie Thomas Himmel gibt. Bunker waren Schicksal, geplant höchstens von einem böse lächelnden Golfarchitekten, irgendwo hinter den dunklen und kalten Wolken der Nordsee.

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