Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Golfballs „BOB“
Schicksalsschläge

Er hat Langeweile. Nichts bewegt sich. Und es ist unerträglich heiß. Robert, den seine beiden Kumpels Sam und Dave kurz "BOB" nennen, hadert mit dem Schicksal. Warten, immer nur warten. Seit mehr als vier Wochen schon hoffen die drei Vierlagigen auf einen Käufer - und damit auf den Ausbruch in die freie Natur.

Jetzt, im August, geht das Geschäft im Golf- Shop besonders gut. Fast jeder Kunde kauft Bälle. Bob and Friends jedoch bleiben Außenseiter und drohen im Geiz-ist-geil- Zeitalter zu Ladenhütern zu werden.Was nützt der halbflüssige Hightech-Kern, wen reizen die vier Hightech-Schalen, wenn erste Vergleichstests populärer Golfmagazine anderen Bällen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigen?

Und dann geschieht es doch, das kaum noch Erwartete: Der teure Dreierpack verlässt das oberste Regalbrett. Ein hoch aufgeschossener Endzwanziger zahlt betont lässig den Spitzenpreis von 17,50 Euro (wahrscheinlich um der filigranen Schönheit an seiner Seite zu imponieren). Es ist ein strahlender Samstagvormittag. Stunden später darf Bob endlich aufatmen.

Die drei Edelbälle wandern ins Bag und treffen dort auf ein gutes Dutzend Kollegen, die aber nur von mittlerer bis niederer Qualität und meist auch ziemlich schmutzig sind. Zwar herrscht reger Betrieb auf dem öffentlichen 9-Loch-Platz, doch bleibt dem selbstbewussten Longhitter Jonas genügend Zeit, der erst vor zwei Wochen platzgereiften Ines wichtige Gebrauchsanleitungen für ihre Eisen zu geben.

Bob ist derweil glücklich und wartet geduldig auf seinen Einsatz. Nachdem zwei ältere Bälle wegen Flucht ins Rough abgeschrieben werden müssen, ist es so weit. "Die neuen Vierlagigen sollen sehr weit und trotzdem nicht zu hart im Feel sein", kommentiert Jonas seine hochgesteckten Erwartungen, als er Bob aufteet. Sekunden der Euphorie. Das geschmiedete Eisen 5 wird nahezu optimal eingesetzt, um das breite Grün des von einem sichelförmigen Bunker geschützten Par-3-Lochs zu erreichen. Jonas und Bob genießen gleichermaßen den 155- Meter-Flug. "Wahnsinn!" Ines klatscht voller Bewunderung (was ein bisschen kindisch aussieht).

Bob sowie Sam und Dave werden sogleich zu "VIBs" (Very Important Balls) erklärt, das heißt nur bei ernsthaften Runden und Turnieren eingesetzt. Zwischen dem mitunter etwas arrogant wirkenden Longhitter und seinen drei Edel-Flugobjekten entwickelt sich so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung. Die Bälle werden nicht nur besonders markiert, sondern nach jedem Einsatz sensibel und sorgfältig gereinigt sowie nach Abschluss jeder Runde in ein eigenes Fach des Bags verbracht - getrennt von der gemeinen Ballmeute. Es sind wunderbare Wochen für Bob, der sogar noch zwei abwechslungsreiche Kurzreisen (Portugal, Irland) mitmachen darf.

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