Die größte Bewegungsmesse der Welt
Die ganze Welt turnt in Berlin

Wenn sie in ihren Trainingsanzügen mit dem Zug oder Bus in Berlin ankommen und ihre Quartiere in den Schulen beziehen, sehen sie vielleicht nicht so aus, aber im Grunde sind die 100 000 Teilnehmer des Internationalen Deutschen Turnfestes, das am Samstag beginnt, Messebesucher.

HB BERLIN. Sie machen mit bei der wohl größten Bewegungsmesse, die es gibt. Sie probieren eine Woche lang aus, wie sich ihr Sport anfühlt und wie er in Zukunft aussehen wird.

Wahrscheinlich lässt sich nirgendwo so gut wie beim Deutschen Turnfest der sportliche Zeitgeist beobachten. Beim ersten Deutschen Turnfest 1860 in Coburg war Sport noch Bewegung im Kollektiv mit politischer Zielrichtung. Friedrich Ludwig Jahn hatte die Turnbewegung Anfang des 19. Jahrhunderts auch gegründet, um die deutsche Jugend stark zu machen für die Einigung der Nation und gegen den Feind Frankreich.

Inzwischen ist das Turnfest eine Veranstaltung mit Erlebnischarakter geworden, und das Erlebnis für den einzelnen wird immer wichtiger gegenüber dem mit der Gruppe. In der Gruppe reisen die meisten Teilnehmer an und ziehen vergnügt durch die Stadt, aber Sport machen sie zum Teil nur noch für sich, weil sie gesund sein wollen oder gut aussehen. Wie Sport noch besser in Form bringt oder noch gesünder macht, das spielt beim Turnfest eine besondere Rolle. Bei der Turnfest-Akademie geben mehr als 200 Referenten ihr Wissen darüber weiter.

Zum ersten Mal nennt sich das Turnfest international. 3500 Teilnehmer kommen aus dem Ausland, aus 33 verschiedenen Ländern. Alle Teilnehmer sind jedoch nicht nur Messebesucher, sie sind zugleich auch Aussteller. Sie zeigen schließlich die ganze Vielfalt der Turnbewegung. Rainer Brechtken, der Präsident des DTB, hat seinen Verband mit den 5,3 Millionen Mitgliedern daher eine "Holding von verschiedenen Sportarten genannt". Unter dem Dach des DTB finden schließlich außer dem klassischen Gerätturnen auch Turnspiele statt, Faustball und Prellball, Indiaca, Völkerball und viele andere. Und die einzelnen Sportarten teilen sich wiederum in unterschiedliche Formen auf. Es gibt Spitzensport, denn im Rahmen des Turnfestes suchen die Athleten ihre Deutschen Meister, sei es an den Geräten, auf dem Trampolin, in der Sportakrobatik oder mit dem Rhönrad. Der DTB nutzt gerne die neue Popularität seines Vorturners Fabian Hambüchen und der Trampolin-Olympiasiegerin Anna Dogonadze.

Wettkampfsport gibt es aber auch in der Breite. Unter 100 verschiedenen Wettbewerben können die Teilnehmer wählen, und allein im Beachvolleyball haben sich 1560 Teams angemeldet. Neben Spitzen- und Breitensport bleibt noch der Showsport. So wollen sich die Turner als weltoffene und flexible Bewegung präsentieren, deren Basis immer noch der klassische Sportverein ist und die sich noch aufteilt in längst veraltete Turngaue.

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