Die Könige des Boxsports
So funktioniert das Klitschko-Imperium

Sportlich kaum zu schlagen, unternehmerisch erfolgreich, vom Publikum geliebt: Vitali und Wladimir sind die Schwergewichte des Boxsports. Das abgesagte Duell am Samstag schmälert diese Bilanz nicht - im Gegenteil.
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DüsseldorfDer Kampf gegen Jean-Marc Mormeck am Samstag sollte wieder ein ganz großer werden. 30.000 Karten waren schon verkauft, der für Publikumsrekorde nötige verbale Vorkampf galt mit dem „Enfant Terrible“ des französischen Boxsports auch schon als sicher und der übertragende Sender RTL konnte wie stets bei Klitschko-Kämpfen mit Marktanteilen von um die 50 Prozent rechnen.

Doch Schwergewichts-Boxweltmeister Wladimir Klitschko hat seinen Kampf schon verloren, bevor er in den Ring steigen konnte. Zumindest vorerst. Ein drei Gramm schwerer Nierenstein hat den jüngeren der beiden Klitschko-Brüder vorläufig außer Gefecht gesetzt und den 35-Jährigen  - genannt Dr. Steelhammer – gezwungen, die in der Düsseldorfer Esprit-Arena geplante Verteidigung seiner Titel von WBO, WBA und IBF abzusagen.

Klitschko-Manager und Geschäftsführer der Klitschko Management Group (KMG), Bernd Bönte, beruhigte Fans und Sender aber schnell: Der Titel-Kampf sei nur verschoben, werde aber auf keinen Fall ausfallen. Der Nachholtermin steht auch schon: 3. März 2012. Die Düsseldorfer Arena ist für dieses Datum geblockt, die Eintrittskarten von Dezember bleiben gültig.  Das nötige OK des Weltverbands IBF fehlt auch nur noch formal. „Mündlich haben wir es schon", sagt Manager Bönte im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Die riesige Maschinerie des Imperiums der Klitschko-Brüder kommt also zwar ein wenig ins Stocken, stehen bleiben wird sie nicht. Gemeinsam haben sich die Brüder fünf Schwergewichts-WM-Titel erkämpft: Wladimir holte sich vom Briten David Haye (Punktsieg) im Juli den Gürtel der World Boxing Association (WBA). Zuvor hatte er schon die Titel der International Boxing Federation (IBF) und der World Boxing Organisation (WBO) und der weniger bedeutenden International Boxing Organisation (IBO) gewonnen. Der ältere der Brüder - Vitali - ist Weltmeister des World Boxing Council (WBC). 

Damit haben die Brüder „Boxgeschichte geschrieben", wie Vitali Klitschko es in einem Interview mit dem Tagesspiegel selbst sagte. Im Ring kann ihnen kaum jemand das Wasser reichen. Die beiden Ukrainer regieren  die Königsklasse im Boxen allerdings nicht nur sportlich. Sie sind so prominent in der Öffentlichkeit wie kein Boxer sonst, verdienen Millionen mit Werbung.

Und die Fans nehmen's ihnen ab wie kaum einem sonst: Umfragen bescheinigten den promovierten Sportwissenschaftlern eine hohe Glaubwürdigkeit, egal ob sie sich um eine Milchschnitte zanken, Warsteiner loben,  sich für McFit in Fatsuits zwängen (allein von McFit gibt's laut  „Bild" eine Million pro Jahr - für jeden der beiden) oder Fitness-Bücher auf den Markt bringen. 

Seit 2007 vermarkten sich die Brüder mit der KMG selbst und sind unabhängig von Promotern, fungieren als Veranstalter ihrer eigenen Shows und handeln die Kampfverträge selbst aus. Einen haben sie gerade erst im Sommer neu verlängert: den mit dem Sender RTL. Die Klitschkos bekommen demnach von dem Privatsender pro Kampf zwischen drei und 3,5 Millionen Euro, wie die „Bild“ mit Verweis auf einem Vertrag der Boxer mit RTL berichtet. Zu der Gage des Senders kommen  noch mehrere Millionen aus der Börse, so dass jeder der Brüder zwischen sieben und zehn Millionen Euro pro Kampf einsackt. Der Vertrag  mit RTL  gilt seit Juli und umfasst insgesamt fünf Kämpfe. Bönte will die genannten Beträge nicht kommentieren. „Ich sage dazu gar nichts, weder ob die Summen höher, noch tiefer sind."   

Kommentare zu " Die Könige des Boxsports: So funktioniert das Klitschko-Imperium"

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  • Die beiden langweiligsten Boxer, die es seit Jahren in diesem Sport gibt.
    Mit Wehmut erinnert man sich an Tyson, Bowe, Lewis, etc.

    Pls. David Hay(e)maker come back and KILL these two boring guys !!!

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