Die Krawalle in Slowenien zeigen, dass Deutschlands Fußball ein Jahr vor der WM wieder ein Hooligan-Problem hat
Falsche Freunde

Franz Beckenbauer hatte keine Chance. Kaum war er aus dem Auto gestiegen, sah er sich mehreren Kamerateams gegenüber. "Euch brauch? ich an Ostern", sagte Beckenbauer ironisch und ging weiter. Erst in der Schalterhalle des Flughafens von Maribor wurde sein Fluchtversuch gestoppt, und so musste sich der Multifunktionär doch zu den Ausschreitungen deutscher Hooligans ins Slowenien äußern.

Beckenbauer ist Chef des Organisationskomitees für die WM 2006 in Deutschland. "Die Welt zu Gast bei Freunden" heißt der Slogan der WM, am Samstag in Celje hatten sich die vermeintlichen Freunde jedoch aufgeführt wie ein psychopathischer Exfreund, der nach der Trennung von seiner Freundin deren Wohnung auseinander nimmt.

"Das sind keine Menschen", sagte Gerhard Mayer-Vorfelder, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Randale begann vor dem Spiel in der Innenstadt von Celje. Aus dem Bundesgebiet waren etwa 250 Hooligans nach Slowenien gereist, rund 100 von ihnen seien in der Altstadt aneinander geraten. Hooligans aus Köln und Dortmund sollen sich geprügelt haben - zunächst untereinander. Anschließend vereinten sie sich gegen die Polizei, verwüsteten ein Hotel, zerstörten Schaufensterscheiben und Autos. Vor, während und nach dem Spiel wurden 65 Gewalttäter festgenommen, darunter 45 aus Deutschland. Die Ausschreitungen haben ein Problem wieder in die Öffentlichkeit gerückt, das viele seit Jahren für gelöst gehalten haben. Doch schon seit einigen Wochen treten die Hooligans wieder häufiger in Erscheinung, wenn auch noch "sehr vorsichtig und sehr verdeckt", wie szenekundige Beamte berichten. "Die Szene trainiert für die WM, nicht im Fußballstadion, sondern auf der Wiese."

In Düsseldorf zum Beispiel kam es vor kurzem bei einem Regionalligaspiel zu Schlägereien fernab der Innenstadt. Bundesweit sind etwas mehr als 7 000 so genannte Problemfans registriert. Die Ausschreitungen in Celje fanden erstmals wieder vor größerem Publikum statt. "Man kann da nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte Mayer-Vorfelder, der vor dem Stadion selbst von den Hooligans bedrängt worden war.

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