Die neue deutsche Hoffnung
Berg-König Wegmann ein Sonnyboy mit Killerinstinkt

Gleich auf der ersten Etappe sorgte Fabian Wegmann für ein kleines deutsches Highlight bei der Tour de France: Der "Gerolsteiner" konnte sich das Bergtrikot überstreifen.

Die erste Touretappe war noch gar nicht zu Ende, als sich Fabian Wegmann schon einmal selbst eierte. Obwohl der Vorsprung seiner Ausreißergruppe auf das große Fahrerfeld kurz vor dem Tagesziel dahin schmolz, grinste der Gerolsteiner-Fahrer spitzbübisch in die Fernsehkameras und Foto-Objektive und spreizte die Finger zum Victory-Zeichen. Mit dem Kampf um den Tagessieg hatte er zwar nichts mehr zu tun, doch seinen Coup längst gelandet.

Mit Ansage war der 26-Jährige in Straßburg ins gepunktete Bergtrikot gefahren, um es am Montag auf dem zweiten Teilstück von Obernai entlang der deutsch-französischen Grenze ins luxemburgische Esch-sur-Alzette zu tragen: "Ich habe mir für die Tour ein bisschen was vorgenommen. Und dieses Trikot gehörte dazu." Gesagt, getan.

Schon im vergangenen Jahr war der Westfale einen Tag lang "Berg-König" der Tour gewesen, als er nach langem Ausreißversuch auf dem Weg nach Karlsruhe kurzzeitig die Führung in der Spezialwertung übernommen hatte. "Dieses Trikot übt eine besondere Faszination auf Fabse aus", meint Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holcer, "aber darum werden sich in den nächsten Tagen natürlich auch andere reißen."

Am Montag musste es Wegmann mit nunmehr zwölf Punkten an den spanischen Ausreißer David de la Fuente (Saunier/14) wie im Vorjahr nach einem Tag wieder abgeben. Doch sein Schützling habe "alle Freiheiten", auch weiter seine Chance zu suchen, betonte Holczer. Vielleicht schon am Dienstag.

"Ich will mich ja nicht umbringen"

Auf der schweren Ardennen-Etappe ins niederländische Valkenburg will der gebürtige Münsteraner ein Wörtchen um den Sieg mitreden. Auch wenn er weiß, dass nicht jeder Plan so gut aufgeht wie am Sonntag. "Ich kann nicht jeden Tag vorne rumspringen, ich will mich ja nicht umbringen", flachst der Sonnyboy des Teams, dem Holczer "bei aller Natürlichkeit und sympathischen Ausstrahlung auch den nötigen Killerinstinkt" zuschreibt.

Dass er nicht nur gelegentliche Akzente setzen, sondern auch über längere Zeit vorne mitfahren kann, bewies Wegmann schon einmal beim Giro d´Italia 2004. Damals holte er sich gleich bei seiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt den Gesamtsieg in der Bergwertung. Zwei beachtenswerte Erfolge holte der Hobby-Angler auch in diesem Jahr schon an seine Angel: den Gewinn des Grand Prix Miguel Indurain und einen Etappensieg bei der Rundfahrt Dauphine Libere.

Angesichts der Affäre um T-Mobile-Star Jan Ullrich sind sportliche Schlagzeilen in diesen Tagen besonders wichtig. Das hat auch Holczer erkannt, weshalb er sich besonders über die starken Auftritte seiner Fahrer an den ersten Tourtagen freut. "Ich kann bisher nicht meckern, und wir wollen weiter für Belebung sorgen", so der frühere Lehrer. Wegmann muss man das nicht zweimal sagen.

© SID

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