Die Olympia-Illusion
Hamburg könnte an den Hamburgern scheitern

Einstimmig hat die Vollversammlung des deutschen Sports für die Hamburger Olympia-Bewerbung gestimmt. Dennoch könnte sie noch scheitern – an den Hanseaten selbst.
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HamburgJetzt, bitteschön, sollten doch alle mal nach vorne treten, an die Brüstung des Zuschauerrangs in der Hamburger O2-World. Im Fernsehen solle es doch schöne Jubelbilder geben, bat der Moderator des Lokalsenders „Hamburg 1“.

Der hatte sich am Montagabend zur Sondersendung in die Feier der Olympia-Initiative der Stadt eingeklinkt. Eingeladen zu der Runde aus Wirtschaftsvertretern, Journalisten und ein paar Sportlern wie Michael Stich hatte Alexander Otto, Hamburgs Olympia-Botschafter und im Hauptberuf Chef des Shoppingcenter-Betreibers ECE.

Am Samstag winkte die Vollversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) die Hamburger Bewerbung in der Frankfurter Paulskirche einstimmig durch. Doch sicher ist die Bewerbung noch längst nicht.

Denn Hamburgs Stadtparlament, die Bürgerschaft, arbeitet gerade an einer Verfassungsänderung, die im September einen Bürgerentscheid ermöglichen soll. Bislang allerdings hat der Hamburger Senat alle wichtigen Volksentscheide in der Stadt verloren – etwa zur Schulreform und zu Energienetzen.

Die Olympiabefürworter weisen gern auf die Zustimmung in Umfragen hin, die in Hamburger größer war als in Berlin. 64 Prozent sprachen sich in einer Befragung im Auftrag des DOSB in der Stadt dafür aus. „Das ist ein außergewöhnlich gutes Ergebnis in der heutigen Zeit. Und das ist auch genügend Puffer, um mögliche Meinungsverschiebungen bei der Volksabstimmung im Herbst abzufedern“, sagte Alexander Otto dem Handelsblatt.

Tatsächlich aber gab es in Umfragen in München ähnliche hohe Zustimmungsraten – bevor das Referendum Olympia eine Absage erteilte. Und auch in Hamburg wirkt nicht nur der Jubel bei der Vergabefeier am Montag bisweilen inszeniert. Das Olympia-Logo tragen im Stadtbild vor allem Unternehmen aus dem städtischen Umfeld: U-Bahnen und Busse, Müllwagen und Geldautomaten der Hamburger Sparkasse.

Dazu kommt eine Plakatkampagne, die von Wirtschaftsgrößen wie der Otto-Gruppe unterstützt werden – die zugleich einen Nachhaltigkeitsmanager abgestellt hat, der die Bewerbung auch bei der Präsentation vor dem DOSB-Präsidium unterstützt hat. Die einzige Aktion, die viele Normalbürger erreichte, war ein Fackelzug mit etwa 20.000 Menschen an der Alster, organisiert von zwei Unternehmern, die eine Riesenmodellbahn in der historischen Speicherstadt betreiben – eine Touristenattraktion.

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