Die Technik der Yachten ist hoch komplex
Schwere Formeln formen schnelle Boote

Beim America's Cup soll jeder mit den gleichen Waffen kämpfen müssen. Äußerlich sehen die Boote auch gleich aus. Doch es kommt auf's Detail an.

ipe MÜNCHEN. Los geht es mit Mathematik. Kein guter Start an einem Montag. Die Formel sieht kompliziert aus. Mit Wurzelziehen, Großbuchstaben, Zahlen hinter dem Komma. Und das soll man auch noch Teilen, damit daraus ein Segelboot wird? Ian Burns ist gut gelaunt und meint, dass das eine einfache Formel sei. Kein Wunder: Er ist Australier, also Optimist, zudem ist er Design-Koordinator bei "BMW Oracle Racing", der deutsch-amerikanischen Segelkampagne im 32. America's Cup. Er muss also wissen, was er tun muss, damit er mit Hilfe der Formel ein richtig gutes von diesen hochsensiblen Mega-Boote hinbekommt. Anders gesagt: Er hofft es zu wissen.

Alle anderen - das sind vor allem Journalisten, die an Tischen sitzen, die sehr an Schulbänke erinnern - schauen leer auf die Formel, manche lächeln wissend. Der America's Cup ist, das weiß man seit "Segel-Schümi" (Jochen Schümann), die Regatta unter den Regatten. Und nicht nur das: Er ist die "Formel 1 des Segelsports". Weil er das ist, kann er sich auch eine eigene Bootsklasse leisten. Die gibt es seit 1991. Denn vorher waren Boote noch Boote, was aber dazu führte, dass jeder machen konnte, was er wollte. Es herrschte Anarchie und das geht natürlich nicht. So waren die Neuseeländer 1988 mit einem Riesenboot ins Finale geflogen. Dort allerdings wartete der Mini-Katamaran vom findigen Dennis Connor. David gewann den ungleichen Kampf und deshalb gibt es nun diese Formel. Jeder sollte mit den gleichen Waffen kämpfen müssen. Nun sind die Boote was für Menschen, die es genau wissen wollen - Freaks und Pedanten. Denn äußerlich sehen die Boote gleich aus. Es kommt auf s Detail an. Deshalb wird an Milligramm, Mikromillimetern und Nanosekunden gefeilt. Und auch das geht nicht, wie man Lust und Laune hat. Auf 58 Seiten Regelwerk wird beschrieben, was man darf und was nicht. Beim Bauen von Rumpf, Segel, Mast, Takelage. Welches Material darf man verwenden?

Der Titelverteidiger "Alinghi" hat sogar verboten, dass Boote solche "Hulas" haben dürfen, wie Neuseeland im Jahr 2003. Der "Hula" war eine zweite Schicht unter dem Rumpf, der die Wasserlinie verlängern und das Boot damit schneller machen sollte. Gebracht hat es nix, aber es war natürlich kreativ. Der "Hula" hat Spaß gemacht. Er hielt Journalisten und Segler über Monate beschäftigt.

Menschen wie Raymond Freyman finden den Detailfetischismus super spannend. Er ist Professor und Oberforscher bei BMW. Das heißt: er denkt Autos so, dass sie leicht, sicher und schnell sind. Dynamisch heißt das dann. Deswegen meint Freyman, dass es keinen großen Unterschied zwischen Autos und Booten gebe. Denn es komme ja nur auf die "Steifheit" an, auf die "Steifheit", auf die "Steifheit eben an". In das Wort hat sich Freyman jedenfalls verliebt. Dabei heißt es nichts anderes, als dass die Materialien, aus denen Segel oder Rumpf gemacht sind, leicht und stabil zugleich sein müssen. Denn je leichter das Boot über Wasser desto schneller wird es. Unter Wasser hängen rund 20 der gesamten 22 Tonnen in einer Kielbombe. Sie sorgt dafür, dass das Boot richtig im Wasser liegt und nicht kentert. Hier sind wir nun beim Wetter. Und weil Wind und Wasser nicht ganz unwichtig für die Rennen sind, hat jedes Team eigene Wetterfrösche. Die Kachelmanns schauen und messen jeden Tag. Wie fährt das Boot bei Regen, bei Sonnenschein, bei kleinen, bei großen Wellen, bei viel, bei wenig Wind? Das wird dann in Computer getippt. Und noch mehr: Wie dellen sich die Segel im Wind? Wie verformt sich der Rumpf? Wie der Mast? Computer spielen überhaupt eine große Rolle. Sie sind die Schatzkisten der Teams. Darin steht alles, von dem man hofft, dass es zum Sieg führt. Natürlich ist das alles sehr geheim. In der Vergangenheit sollen solche Computer schon mal geklaut worden sein. Das war wie bei James Bond und deshalb ähnelten die Teambasen in Auckland Hochsicherheitsgefängnissen.

Wenn die Computer fertig gerechnet, viele Köpfe zu Ende geraucht haben und viel Geld ausgegeben worden ist, dann werden auch mal Boote und Segel gebaut. Kleine Boote erst mal. Die werden sehr oft durch Windkanäle geschickt, dann wird wieder gerechnet und gedacht. Und schließlich wird ein richtiges, ein großes Boot gebaut. Letzten Endes stellt sich dann nur noch eine Frage: Darf man das dann eigentlich noch Boot nennen?

Daten und Fakten für America's Cup-Boote:

  • Länge:

    26 Meter Breite: circa vier Meter
  • Tiefgang:

    4,10 Meter
  • Masthöhe:

    circa 33 Meter
  • Gesamtgewicht:

    maximal 24 Tonnen
  • Kielballast:

    circa 19 Tonnen
  • Segelfläche am Wind:

    circa 320 Quadratmeter
  • davon Großsegel:

    215 Quadratmeter
  • Spinnaker:

    circa 510 Quadratmeter
  • Besatzung:

    17 Segler und 1 Beobachter
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%