Dirk Nowitzki im Interview
„Ich habe erstmal ein bisschen geheult“

Dirk Nowitzki hat mit dem Gewinn des NBA-Titels sein ganz großes Karriereziel erreicht. Der deutsche Superstar über seine Gefühlswelt und wieso die Niederlage von 2006 diesen Sieg vielleicht erst möglich gemacht hat.
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Frage: 13 Jahre sind Sie nun in der Liga. Was hat dieser Titel für Sie persönlich für eine Bedeutung?

Nowitzki: Ich kann das noch gar nicht richtig in Worte fassen, was das jetzt bedeutet. Aber das kann uns nie mehr einer nehmen, die Meisterschaft im Jahr 2010/11 gehört für immer den Dallas Mavericks. Ich bin einfach so stolz auf die Mannschaft, was wir durchgemacht haben dieses Jahr. Caron Butler musste die Saison mit einer schweren Verletzung beenden und trotzdem haben wir uns durchgekämpft und weitergearbeitet. Man hat auch heute wieder gesehen, wie gut unsere Mannschaft ist, nachdem ich zumindest in der ersten Halbzeit einen wirklich rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Ich kann es noch gar nicht fassen und werde es erstmal ein paar Wochen genießen und dann kann man ein bisschen mehr reflektieren.

Nach dem Spiel sind sie direkt in die Kabine gelaufen.

Das war genau wie in Athen (bei der Olympiaqualifikation 2008, Anm. d. Redaktion) damals auch. Ich habe erstmal eine Minute gebraucht für mich selber, war ein bisschen emotional, habe ein bisschen geheult. Ich wollte kurz für mich allein sein, war in der Dusche in der Umkleide und habe mich dann wieder gefangen.

Sonst retten Sie immer die Mannschaft, in der ersten Halbzeit war es dieses Mal andersrum. Wie fühlt sich das an?

Das war unsere Stärke das ganze Jahr über. Wenn einer mal nicht so ein gutes Spiel hatte, ist der andere reingekommen für ihn, hat ausgeholfen und Selbstvertrauen gegeben. Das macht unsere erfahrene Mannschaft aus, dass wir viele Leute haben, die explosiv von der Bank kommen.

Was haben Sie gedacht, als feststand: „Ich bin NBA-Meister“?

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Im vierten Viertel habe ich mal hochgeschaut und da waren wir mit zehn vorne. Es waren aber immer noch sechs Minuten zu spielen und die Minuten gingen nicht schnell genug vorbei. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich da schon gerne die Uhr auf Null gestellt. Wir haben sehr gut verteidigt und vorne die wichtigen reingemacht.

Ist die Finalniederlage 2006 gegen die Miami Heat nun vergessen?

Vielleicht wären wir nie mehr an diese Stelle gekommen, wenn wir 2006 nicht diese Enttäuschung mitgemacht hätten. Vielleicht wären Jason Terry und ich dann nie so als Mannschaft zusammengeschweißt worden. Wir haben es immer wieder probiert. Der Jet (Terry) hat im vierten Viertel sogar zu mir gesagt: „Denk an 06, das Ding holen wir uns heute.' Ich glaube, er hat von Anfang an gesehen, dass ich ein bisschen gestrauchelt bin und hat das Spiel auf seine Schultern genommen.

Am Ende haben Sie aber wieder die Mannschaft gerettet.

Das ist die letzten Jahre immer mein Job gewesen, dass ich im vierten Viertel für die Mannschaft da bin. Die Mannschaft hat mir immer gut zugeredet. Es war für mich wichtig, mental im Spiel zu bleiben. Natürlich wäre es einfach gewesen, bei so einem schlechten Spiel abzuschalten. Aber für die Mannschaft muss ich immer weiter mit Selbstvertrauen attackieren und das habe ich gemacht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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