Dirk Nowitzki spielt die beste Saison seiner Karriere
Leisetreter muss den Leader geben

DALLAS. Der künstliche Riese wabert im Dress der Dallas Mavericks inklusive der Nummer 41 vor der American Airlines Arena in Dallas im Wind – aufgepumpt von einem Elektrogenerator.

Zu übersehen ist Dirk Nowitzki also nicht – dafür sind die Ausmaße einfach zu gewaltig: Die Gummi- Schultern vier Meter breit, der Bauchumfang mit der Stärke einer Litfasssäule.

In der Umkleidekabine der Mavericks gibt der 27-Jährige ein anderes Bild ab. Nur zwei enorm große Turnschuhe weisen daraufhin hin, dass sich hinter dem Pulk von Reportern, tatsächlich der deutsche Nationalspieler verbirgt. Mit gedämpfter Stimme beantwortet er die Fragen. Die Journalisten wollen wissen, was die erfolgreiche Hauptrunde für die am Sonntag beginnenden Playoffs bedeutet. Nach dem 60. Sieg der regulären Saison sagt Nowitzki: „Den Clubrekord einzustellen ist etwas Besonders.“ Dabei sind seine Worte so leise, als er wolle er seine Gedanken lieber für sich behalten. Dann gibt er zu bedenken: „In der Saison 2002 haben uns die 60 Siege nichts gebracht.“ Damals war im Finale der Western-Conference Schluss.

Viel hat sich seitdem verändert. Was bei Nowitzkis Ankunft 1999 in Dallas noch nach einer hoffnungslosen Losertruppe aussah, mauserte sich zu einem Titelkandidaten – ihr Anführer reifte zum „besten Spieler, der je mit seiner Größe in der Liga spielte.“ Das sagt nicht nur Detroits Trainer Flip Saunders. Viele Experten räumen Nowitzki gute Chancen im Rennen um den Titel des wertvollsten Spielers (MVP) ein. Nur Nowitzki will partout nicht das dominante Alpha-Männchen spielen, das ein amerikanischer Superstar qua Definition zu mimen hat. Immerhin hat Jason Terry festgestellt, dass „Dirk lauter geworden ist“. Bei mangelnder Leistung setzt es von der Nummer 41 Einzelkritik. Dallas Coach Avery Johnson sagt: „Ich glaube, dass Dirk spürt, wie ihm die Zeit davon läuft.“ Nowitzki habe noch nie so häufig über die Meisterschaft gesprochen wie in diesem Jahr. Und dass sie in Dallas um den Titel mitspielen wollen, daran lässt Johnson keinen Zweifel. Der Mann, der 1999 mit San Antonio als Spieler Meister wurde, will in seiner zweiten Saison als Trainer zurück auf den NBA-Thron.

Dafür hat er in der Umkleidekabine extra eine Tafel installiert. Darauf steht: „Der Weg, ein Meisterteam zu formen.“ Die vielen Häkchen auf dem Tableau verraten wie nah sich Johnson seinem Ziel wähnt. Realistisch betrachtet aber sind die Chancen der Mavericks, am Ende doch im Finale zu stehen, ungefähr so gering, wie Nowitzkis Aussichten auf den MVP-Award. Im Vergleich mit San Antonio ist es die zu kurze Bank der Mavericks, im MVP-Rennen ist es die fehlende Lobby. Exzentrische Selbstdarsteller liegen nicht nur in Amerika höher im Kurs als bodenständige Arbeiter. Auf dem Feld Riese, abseits eher Leisetreter: Für die US-Medien ein Dilemma, das sich nur durch einen Titelgewinn lösen lässt.

Nowitzki selbst sagt zur Kritik an seinem Führungsstil: „Vielleicht bin ich ja zu nett. Aber, wenn ich schon ein Leader sein will und muss, mache ich das eben auf meine Art.“

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