Djokovic-Triumph in Wimbledon
Der Becker-Effekt

30 Jahre nach seinem ersten Triumph ist Boris Becker wieder Wimbledon-Sieger – als Trainer. Nach Jahren voller Eskapaden ist es ausgerechnet der hitzköpfige Becker, der bei Novak Djokovic für Nerven aus Stahl sorgt.
  • 0

Düsseldorf30 Jahre nach seinem ersten und historischen Triumph auf dem heiligen Rasen ist Boris Becker wieder der König von Wimbledon. Oder zumindest der Königsvater: Als Trainer des Serben Novak Djokovic kann er den Sieg seines Schützlings feiern. Mit 7:6, 6:7,6:4 und 6:3 schlug der Becker-Schützling den Schweizer Roger Federer, was Boris mit einem lauten „Jaaaaa“ auf der Tribüne quittierte, ehe er nacheinander die ganze Box herzte und umarmte. Djokovic antwortete mit einem „Boris, ich liebe dich!“. Nach wichtigen Punkten zeigte der Coach immer wieder seine berühmte „Becker-Faust“, demonstrativ in Richtung Djokovic'. Spätestens nach diesem Erfolg, dem zweiten Wimbledon-Sieg seines Schützlings in Folge, genießt Becker wieder die volle Anerkennung der Tennis-Welt, erstmals auch als Trainer. Es war ein langer Weg zurück.

In den Jahren nach seiner eigenen, großen Karriere suchte Boris Becker lange nach seinem Platz in der Welt. Nachdem er zuvor nicht nur in Deutschland, sondern weltweit viele mit seiner leidenschaftlichen Spielweise auf dem Feld begeistern konnte, hatte er ohne den Schläger in der Hand plötzlich Probleme, noch die Aufmerksamkeit zu bekommen, die er ganz offenbar dringend braucht. Kaum eine Aufgabe, die er sich suchte, klappte.
Als Geschäftsmann scheiterte Becker gleich mehrfach: 2001 musste das Internetportal Sportgate Insolvenz anmelden, an dem er beteiligt war. 2007 musste er dafür mit 100.000 Euro haften, das anschließende Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des versuchten Prozessbetrugs wurde 2009 nach Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 40.000 Euro eingestellt.
Ebenfalls im Jahr 2001 stieg Becker mit 500.000 Euro als Gesellschafter bei der New Food AG ein. Ökolebensmittel aus dem Internet und per Teleshopping, das war die Idee des Unternehmers Klaus Harrisch aus Illertissen, mit Becker als Werbefigur wollte er durchstarten. So recht glaubte Becker aber wohl schon damals nicht an den Erfolg von New Food, die halbe Million Euro wollte „Bobbele“ nicht aus eigener Tasche investieren: Er lieh sich das Geld von Harrisch, um es dann wiederum in die Firma zu investieren.

Nur zwei Jahre später platzte die Internetblase und New Food war Vergangenheit. Nun kam Harrisch wieder auf Boris Becker zu, er wollte das Darlehen über 500.000 Euro zurückhaben. Das Leihgeschäft war zur Jahrtausendwende mit einem ordentlichen Darlehensvertrag besiegelt worden. Da Becker dennoch nicht zahlen wollte, begann ein langer Rechtsstreit. Am Ende wurde er zur Zahlung von 800.000 Euro verurteilt.
Die ganzen Eskapaden waren irgendwann selbst dem treuen Becker-Partner Mercedes-Benz zu viel. Lange Zeit war der Leimener ein Werbegesicht des Autobauers, bis der Vertrag Anfang 2014 vom Unternehmen vorzeitig gekündigt wurde – ohne Kommentar. Grund dafür war wohl vor allem Beckers ununterbrochene Vermarktung seines Privatlebens: Mit seinem „Boris Becker TV“ wollte der ehemalige Tennis-Star zeigen, dass sein Privatleben in Wirklichkeit doch ganz anders ist, als es in den Medien dargestellt wird. Am Ende blieb nur zu hoffen, dass die sehr privaten Einblicke bitte nicht echt waren.

Kommentare zu " Djokovic-Triumph in Wimbledon: Der Becker-Effekt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%