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DKV bei WM so erfolgreich wie nie zuvor

Die deutsche Kanu-Equipe hat bei der Weltmeisterschaft in Zagreb in 27 Entscheidungen 18 Medaillen gesammelt. Auch das "Familienboot" von Birgit und Fanny Fischer erpaddelte einen beachtlichen Erfolg.

Zwei Bronzemedaillen konnte Birgit Fischer ihrerseits zur tollen Ausbeute des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) beisteuern. Mit zehn WM-Titeln, fünf Silbermedaillen und drei dritten Rängen in 27 Entscheidungen hat die deutsche Flotte in Zagreb für das erfolgreichste Abschneiden aller Zeiten gesorgt.

Fischer über 500m nur Zuschauerin

"Eine perfekte Bilanz", meinte Fischer, die über die 500m ungewohnt nur Zuschauerin war: "Bei mir gibt es keine Traurigkeit." Ungeachtet der peinlichen Rücktrittsforderung von Dreifach-Champion Katrin Wagner-Augustin ("Hör endlich auf!") ist die 43-jährige, die im 1 000-m-Viererkajak und mit Nichte Fanny Fischer (18) im Sprint ihre 36. und 37. WM-Medaille erpaddelte, immer noch tatendurstig und visiert Peking 2008 an. Ein "Wackler" kurz vor dem Ziel kostete Silber.

Die 27-jährige Wagner-Augustin distanzierte sich unter Tränen von weiten Teilen eines Zeitungsinterviews, entschuldigte sich bei Fischer und dem Team - sie hatte auch von mangelnder Harmonie in der Truppe gesprochen. Fischer sagte: "Ich bin enttäuscht und traurig darüber. Ein Rundumschlag von Katrin. Man sollte mehr Achtung vor dem anderen Sportler haben."

Die Verbandsspitze hielt sich in dieser Angelegenheit zunächst zurück. "Wir werden nun erstmal in Ruhe darüber sprechen", sagte der neue DKV-Präsident Olaf Heukrodt und meinte zum Abschneiden: "Das war begeisternd für mich, wir haben den Generationswechsel bestens geschafft."

Reiner Kießler Favorit auf Chef-Coach-Posten

Sportdirektor und Interims-Chefbundestrainer Jens Kahl sagte lachend: "Wir können uns kaum noch im Bootshaus blicken lassen, die anderen Nationen schauen schon böse. Einzige Enttäuschung bei der WM war das Essen im Hotel." Als Favorit für den Cheftrainer-Posten bis Peking 2008 gilt nun Reiner Kießler, der als Diagnose-Bundestrainer wie schon in den letzten Jahren exzellente Arbeit ablieferte.

Bei der bisherigen Rekord-WM 1997 in Kanada hatte es neben neun Titeln "nur" noch drei weitere Plaketten (9-1-2) gegeben. Auf dem Jarunsee sorgten der 33-jährige Andreas Dittmer ("Mission erfüllt") mit seinen Erfolgen Nummer sieben und 8, der Zweier-Canadier Christian Gille/Tomasz Wylenzek (Leipzig/Essen) ebenfalls doppelt sowie über 500m die 19-jährige Nicole Reinhardt (Lampertheim), Ronald Rauhe/Tim Wieskötter (Potsdam) und der Damen-Viererkajak sowie über 1000m der Herren-Viererkajak und Wagner-Augustin für die ersten Ränge. Im abschließenden Sprint kam der Erfolg des Damen-Viererkajaks hinzu.

Lutz Altepost im Vierer mit Überraschungserfolg

Besonders überraschend war nach der EM-Pleite (Rang acht) der Erfolg des Viererkajaks mit dem neuen Schlagmann Lutz Altepost (Essen). Der verantwortliche Coach und Atlanta-Olympiasieger Detlef Hofmann hatte Tränen in den Augen: "Vor vier Wochen war ich der Arsch der Nation - aber wir haben alles richtig gemacht."

Bemerkenswert ist der Triumph von WM-Neuling Reinhardt. Es war der erste Einerkajak-Sieg auf der olympischen 500-m-Strecke seit 1994 durch Fischer, die mit nun 36 WM-Medaillen seit 1979 weit mehr Plaketten als ihre neun Teamkolleginnen zusammen vorzuweisen hat. "Fischer ist kein Vergleich, aber ich bin glücklich", sagte Reinhardt: "Ich habe davon geträumt, aber nicht richtig daran geglaubt."

Die in Topform befindliche Birgit Fischer hatte über 1000m bei ihrer ersten WM seit sechs Jahren den ansonsten unerfahrenen Vierer nicht ganz nach vorn treiben können. "Ich habe noch nie in so einem wackligen Boot gesessen", meinte die in dieser Saison durch gesundheitliche Probleme beeinträchtigte deutsche Rekord-Olympiasiegerin: "Bronze ist in Ordnung."

1,200 Sekunden fehlten Fischer zum 28. WM-Titel

Fischer musste noch unmittelbar vor dem Start Maren Knebel (20), Judith Hörmann (22) und Carolin Leonhardt (20) wegen Rechtslastigkeit zum Geradesitzen auffordern. Zum 28. WM-Titel in ihrer einmaliger Laufbahn fehlten dann 1,200 Sekunden. "Wir sind eben nicht unbedingt die 1 000-Meter-Freaks", sagte Fischer.

Über 1000m hatte es noch Silber für die Zweierkajaks Maike Nollen/Nadine Opgen-Rhein (Berlin/Essen) und Andreas Ihle/Marco Herszel (Magdeburg) gegeben. Der Vierer-Canadier mit Schlagmann Robert Nuck (Leipzig) wurde da Dritter. Über 500m paddelte Altepost überraschend auf Rang zwei. Im Sprint gab es Silber für Gille/Wylenzek und den Herren-Viererkajak.

© SID

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