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Donati erhebt Anschuldigungen gegen Profi-Radsport

Der italienische Anti-Doping-Fahnder Alessandro Donati hat Anschuldigungen gegen den Profi-Radsport erhoben: "Der Radsport ist in den Klauen des Dopings, wenn nicht zu 100 Prozent, dann fast zu 100 Prozent."

Lance Armstrong sieht sich erneut mit Kritik konfrontiert. Der italienische Anti-Doping-Fahnder Alessandro Donati hat weitere Anschuldigungen gegen den siebenmaligen Toursieger und den Profi-Radsport im Allgemeinen erhoben. "Die Leistung von Armstrong kriegt man allein mit Epo kaum hin", erklärte Donati in einem Interview mit der Zeit: "Der Radsport ist in den Klauen des Dopings, wenn nicht zu 100 Prozent, dann zu fast 100 Prozent. Das liegt auch daran: Kraft ist der absolut entscheidende Faktor, Taktik spielt eine untergeordnete Rolle."

"Dokumente sind eindeutig und belastend"

So ist Donati von der Korrektheit der von der Zeitung L´Equipe veröffentlichten positiven B-Proben Armstrongs aus dem Jahr 1999 fest überzeugt: "Die Dokumente sind eindeutig und sehr belastend. Der Fall ist klar, wenn es stimmt, was die französische Zeitung veröffentlicht hat. Die Epo-Werte waren weit über dem Erlaubten."

Wie die L´Equipe in ihrer Ausgabe am 24. August enthüllt hatte, war in sechs eingefrorenen Urinproben von Armstrong während der Tour 1999 das Blutdopingmittel Epo nachgewiesen worden. Die Tests in dem französischen Labor in Chatenay-Malabry bei Paris seien 2004 ausgewertet worden. Zur Zeit der Probeentnahme Ende der 90er war die Nachweismethode für Epo noch nicht ausgereift, das Mittel jedoch bereits weit verbreitet.

"Viele schlucken alles, um schneller zu sein"

Donati, der seit 30 Jahren im Kampf gegen Doping aktiv ist, zeigte sich von den Enthüllungen "in keinster Weise überrascht". Der Italiener ist davon überzeugt, dass im Radsport nicht nur Epo ein weit verbreitetes Mittel ist: "Es ist nicht allein Epo, was Leistungssportler zu sich nehmen. Epo verbessert die Atmung. Es gibt aber auch Anabolika, Testosteron und anderes mehr. Viele schlucken alles, wirklich alles, um schneller zu sein."

Im Kampf gegen Doping erhebt Donati schwere Anschuldigungen gegen die Verbände: "Einige Labore haben vielfach kein wirkliches Interesse daran, dass die Dinge ans Licht kommen. Viele Labore stehen unter dem Einfluss oder der Kontrolle nationaler Sportverbände, die wiederum auch die möglicherweise betroffenen Sportler vertreten. Solange das Geflecht bestehen bleibt zwischen Sportverbänden, nationalen Regierungen, Dopingkontrollbehörden und jenen, die vom Verkauf leistungsfördernder Präparate leben, werden die Sportler immer einen Vorsprung haben.

US-Verband stützt Armstrong

Unterdessen hat sich der amerikanische Radsport-Verband (USA Cycling) hinter Armstrong gestellt. "Es handelt sich nicht um einen positiven Doping-Test, sondern lediglich um einen Bericht in einer französischen Zeitung. Aus meiner Sicht ist das nur ein Thema bei den Franzosen", sagte Steve Johnson, der Geschäftsführer von USA Cycling.

"Die Welt-Antidoping-Agentur und die nationale Anti-Doping-Agentur haben eine klare Vorgehensweise, wie Doping-Probe entnommen, analysiert und ausgewertet werden. Sie haben dabei einen weitreichenden Handlungsspielraum. Doch keiner hat diesen Fall weiter verfolgt. Für uns Amerikaner ist dies deshalb keine große Sache. Lance Armstrong hat weitaus mehr erreicht als nur die Tour de France. Die Tour ist nur ein Teil des Ganzen", so Johnson weiter.

© SID

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