Doping-Affäre immer dramatischer
Düsterer Schatten über Team Austria

Zwei Athleten sind offenbar aus Angst vor der Justiz untergetaucht, die Schlüsselfigur rammt auf der Flucht eine Polizeiwagen - nach der spektakulären Doping-Razzia entwickelt sich die Affäre um die österreichischen Skispringer und Biathleten immer mehr zum Krimi. Und der hat unangenehme Nebenwirkungen. Denn mit jeder neuen Meldung steigt der Druck auf die österreichischen Sportler bei den Olympischen Winterspielen. Und das ganze Land bangt mehr und mehr um seine Chancen bei der Bewerbung um die Winterspiele 2014 mit Salzburg.

HB TURIN. So hat ein Sprecher der italienischen Polizei mittlerweile bestätigt, in den Quartieren der Sportler medizinische Gegenstände, darunter Spritzen, gefunden zu haben. Der bei den Olympischen Spielen in Turin gesperrte Langlauf-Trainer Walter Mayer wurde in Kärnten festgenommen, nachdem er zuvor auf der Flucht vor der Polizei zwei Wagen der Beamten gerammt hatte. Und auch das Rätselraten um zwei Athleten, die nach den Razzien zunächst am Sonntag spurlos verschwunden waren, geht weiter. Zwar nahmen sie mittlerweile Kontakt zum Österreichischen Skiverband (ÖSV) auf. Die genauen Gründe ihrer überraschenden Abreise kennen ÖSV und das Österreichische NOK jedoch offiziell noch nicht.

Allerdings hat Biathlon-Cheftrainer Alfred Eder den Doping-Verdacht gegen seine Wolfgang Rottmann und Wolfgang Perner verstärkt. "Fakt ist, dass einer der beiden Burschen den Plastiksack aus dem Fenster geworfen hat", sagte er am Montag. Die Doping-Fahnder hätten bei beiden "Produkte" beschlagnahmt.

Am Sonntagabend hatten sich die Ereignisse nach einem für die österreichische Delegation eigentlich an Dramatik schon nicht mehr zu überbietendem Tag noch einmal überschlagen: Es herrschte Riesenaufregung in Austrias Lager, weil plötzlich die beiden Biathlonstars Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann verschwunden waren vermutlich auf der Flucht in die Heimat. NOK-Chef Leo Wallner, der auch IOC-Mitglied ist, wurde davon vor laufender TV-Kamera überrascht.

Wenig später sorgte derjenige für Aufregung, der im Mittelpunkt des Skandals steht: "Blutbeutel-Coach" Walter Mayer, der vom IOC von allen Spielen bis 2010 verbannt wurde, aber "privat" in der Nähe von Turin das Team offenbar trotzdem betreut hatte. Die österreichische Polizei hatte den 48-Jährigen, der von der italienischen Polizei gesucht wird, offenbar schlafend in einem geparkten Auto im nahe der italienischen Grenze gelegenen Paternion gefunden. Eine Alkoholkontrolle verweigerte er und versuchte stattdessen, zu entkommen, rammte jedoch bei seiner Flucht einen quer gestellten Polizeiwagen. Mayer, dessen Beschäftigungsverhältnis noch am Sonntagabend vom ÖSV aufgelöst wurde, blieb nach Polizeiangaben unverletzt.

Die Beamten nahmen Mayer anschließend in Gewahrsam, am Montagmorgen wurde er jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie das österreichische ORF-Radio am Montag meldete, hat die Staatsanwaltschaft Klagenfurt die Freilassung angeordnet. Allerdings wurde der 48-Jährige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und verschiedener Verkehrsdelikte angezeigt. Mayer verweigerte eine Alkoholkontrolle. Laut Polizeivorschriften in Österreich gilt er damit als Autofahrer mit mindestens 1,6 Promille Alkohol im Blut.

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