Doping
Athleten kämpfen gegen schärfere Kontrollen

Unter den deutschen Spitzenathleten wächst der Unmut gegen das neue Anti-Doping-Meldesystem Adams 2.0. Das Kontrollsystem sieht vor, dass die Sportler in bestimmten Abständen ihre Aufenthaltsorte per Internet und SMS-Meldungen lückenlos angeben für die nächsten drei Monate.

HB DÜSSELDORF. Unter den deutschen Spitzenathleten wächst der Unmut gegen das neue Anti-Doping-Meldesystem Adams 2.0. Das Kontrollsystem sieht vor, dass die Sportler in bestimmten Abständen ihre Aufenthaltsorte per Internet und SMS-Meldungen angeben. Besonders umstritten ist die sogenannte Ein-Stunden-Regel: Diese verlangt von derzeit rund 500 ausgewählten deutschen Topsportlern, täglich eine Stunde für Tests zur Verfügung zu stehen. Außerdem sind sie verpflichtet, für ein Quartal im Voraus anzugeben, wo sie jeweils anzutreffen sind.

Seit Anfang Januar ist das verschärfte Meldesystem in Kraft - und trifft auf vehemente Ablehnung. "Es ist eine dramatische Einschränkung der persönlichen Freiheit", sagte der Weltmeisterschafts-Dritte im Stabhochsprung, Danny Ecker. "Man fühlt sich wie ein Krimineller, der auf Bewährung auf freiem Fuß ist." Der Leverkusener, der seine Kritik in einer E-Mail an den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) formulierte, will nun mit anderen Athleten gegen die Regeln vorgehen. "Ich kann mir vorstellen, dass wir uns zusammenschließen und etwas machen", sagte Ecker.

Unterstützung erhält der Leichtathlet beispielsweise von Michael Ballack. "Der Zweck ist positiv, aber es wird teilweise massiv ins Privatleben eingegriffen", sagte der Fußball-Nationalspieler. Die Degenfechterin Imke Duplitzer fragte gar im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": "Was kommt als Nächstes? Legen sie uns elektronische Fesseln an?"

DLV-Bundestrainer Herbert Czingon reagierte unterdessen mit Verständnis auf den Vorstoß: "Was wir unseren Athleten zumuten, ist für sie eine ungeheure Einschränkung der Lebensqualität." Allerdings habe er die Furcht, dass da "ein Zorn aufkommt, der nicht zu bändigen" sei. "Das ist gefährlich, weil die Regeln Fakt sind, und in Deutschland viel Wert darauf gelegt wird, ein gutes Kontrollsystem zu haben."

Dem Beispiel der 65 belgischen Sportler, die gegen das Kontrollsystem Klage eingereicht haben, weil es angeblich gegen Artikel acht der Europäischen Menschenrechtskonvention zum Schutz der Privatsphäre verstößt, wollen die deutschen Athleten indes nicht folgen. "Man möchte ja nicht, dass das ganze Doping-Kontrollsystem infrage gestellt wird", sagte Ecker. DLV-Coach Czingon sieht es zudem als eine Gefahr an, dass die Belgier den Rechtsstreit gewinnen könnten: "Ich weiß nicht, ob ich mich über einen Erfolg der Klage freuen würde. Die ersten, die davon profitieren würden, wären die Betrüger." Die Chance, dass das Meldesystem juristisch gekippt wird, schätzt der Münchener Sportrechtsexperte Dirk-Reiner Martens allerdings als gering ein.

Neue Verdachtsfälle heizen die Diskussion indes weiter an: Wenige Tage vor dem Beginn der Biathlon-Weltmeisterschaften in Südkorea erschüttern weitere Dopingfälle die Sportwelt. "Wir haben positive A-Proben", sagte Anders Besseberg, Präsident der Internationalen Biathlon-Union. Die Anzahl der möglichen Sünder ist noch unbekannt.

Sicher ist, dass den Doping-Fahndern gleich mehrere Skijäger ins Netz gegangen sind. Deutsche Biathleten sollen aber nicht darunter sein: "Unsere Athleten sind sauber. Und wir werden alles dafür tun, dass es so bleibt", sagte Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Skiverbandes. Erst vor einem Jahr war die zweifache Olympiasiegerin Andrea Henkel unter Verdacht geraten, als der ARD zufolge 30 Biathleten die Dienste einer Wiener Blutbank in Anspruch genommen hatten. Der Sender nahm die Berichte später aber zurück.

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