Doping auf Rädern: „Der Radsport war verrottet, und alle machten mit“

Doping auf Rädern
„Der Radsport war verrottet, und alle machten mit“

Der Präsident der Radsport-Weltverbands Brian Cookson will reinen Tisch machen. Eine Untersuchung zu den Verwicklungen seines Verbandes in die Dopingmachenschaften des Radsports soll dabei helfen. Ein guter Anfang.
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DüsseldorfDer Radsport war von 1996 bis 2008 ein einziger Doping-Sumpf. Die Verantwortlichen des zügellosen Dopings waren: Bjarne Riis, Marco Pantani, Jan Ullrich, Lance Armstrong, Alberto Contador – und der Radsport-Weltverband UCI. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission CIRC hervor.

Unter der Führung der ehemaligen UCI-Präsidenten Pat McQuaid und Hein Verbruggen soll der Weltverband dopende Sportler gedeckt haben – zum Wohle des Sports. Ausschlaggebend für dieses unrühmliche Kapitel des Radsports waren die Doping-Enthüllungen rund um das Festina-Team im Jahre 1998.

Während der laufenden Tour wurden damals beim Festina-Team-Betreuer Willy Voet massenhaft unerlaubte Substanzen gefunden. Das Team stieg aus der Tour aus, es folgten Razzien der Polizei. Am Ende wurde ein flächendeckendes Doping-System enttarnt. Für den Radsport war es ein riesiges Image-, für den damaligen UCI-Präsidenten Hein Verbruggen ein persönliches Desaster.

Eine Wiederholung war unerwünscht. Daher änderte sich fortan die Doping-Politik der UCI. Nutznießer dieser Änderung war vor allem der Doping-Betrüger Lance Armstrong. Die UCI wusste bereits sehr früh über Armstrongs massenhaften Gebrauch leistungssteigernder Mittel – dagegen etwas unternommen hat der Verband jedoch nicht. Es gebe „zahlreiche Beispiele“, dass der Amerikaner von der UCI „verteidigt“ oder „beschützt“ worden sei, heißt es in dem 227-seitigen Report der CIRC.

Doch nicht nur Armstrong profitierte. Auch Alberto Contador wurde gedeckt. Nachdem beim Spanier 2010 Spuren von Clenbuterol gefunden wurden, ein Mittel zur Fettverbrennung und mit anabolen Wirkung auf die quergestreifte Muskulatur, sei er bei einem Treffen mit drei UCI-Funktionären vorab vom positiven Befund informiert worden.

Daraufhin verwies Contador, wie so oft bei Sportlern mit positivem Clenbuterol-Befund, auf verunreinigtes Fleisch, das er gegessen haben soll. Geholfen hat es nicht. Der Internationale Sportgerichtshof CAS verhängte gegen den Spanier dennoch eine zweijährige Strafe. Der Fall Contador sei ein Beispiel für das „schlechte öffentliche Management von Krisensituationen“ durch die UCI.

Verbruggen und McQuaid wollten ganz sicher nicht den Radsport zerstören. Auch sind sie keine Befürworter des Dopings, und sicherlich haben sie während ihrer Zeit dopende Sportler beziehungsweise das Doping nicht aktiv gefördert. Sie waren schlicht und einfach mit der Masse der dopenden Sportler überfordert.

Hätten sie 1998 jeden einzelnen Teilnehmer der Tour de France mit auffälligen Blutwerten gesperrt – sie hätten wahrscheinlich bis auf den Franzosen David Moncoutie das ganze Feld ausschließen müssen. Und nach den Enthüllungen rund um das Festina-Team wäre ein mit Doping voll gespritzter Tour-Sieger samt Epo gepumpten Team (Lance Armstrong mit seinem US-Postal-Team im Jahre 1999) vermutlich der Todesstoß für den Radsport gewesen.

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