Doping im Radsport
Lance Armstrong will „100 Prozent Transparenz“

Ex-Radprofi Lance Armstrong hat seine Dopingvergangenheit lange geleugnet. Nun verspricht ausgerechnet er „100 Prozent Transparenz und Ehrlichkeit“. Die Anti-Doping-Agentur ist da skeptisch.
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Berlin/LondonDer größte Sportbetrüger im Radsport will Aufklärungsarbeit leisten, auf eine Begnadigung darf Lance Armstrong aber so schnell nicht hoffen. Der gefallene Rad-Star will bei der Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit mit „100 Prozent Transparenz und Ehrlichkeit“ mithelfen und hofft dabei auf eine Reduzierung seiner lebenslangen Sperre. Bei der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA stößt er dabei auf Skepsis. Es sei „verfrüht“, darüber zu sprechen. Armstrong müsse zunächst „wahrheitsgemäß an allen Fronten“ aussagen, forderte USADA-Boss Travis Tygart.

Armstrong war 2012 wegen jahrelangen Dopings lebenslang gesperrt worden, zugleich wurden ihm die sieben Toursiege und alle weiteren Erfolge aberkannt. Anfang dieses Jahres hatte der Texaner schließlich im TV seine Sünden der Vergangenheit gebeichtet, nachdem er zuvor die USADA mit allen juristischen Mitteln bekämpft hatte. Armstrong fordert für seine Mithilfe eine faire Behandlung. Einige Akteure, die in die Doping-Kultur involviert waren, hätten einen „Freifahrtschein“ erhalten, andere eine „Todesstrafe“, monierte Armstrong in einem Interview des englischen TV-Senders BBC.

Nach seiner Verurteilung als Dopingsünder und seinem Geständnis sei es „sehr hart“ gewesen. „Ich habe einen hohen Preis in Bezug auf meine Stellung im Radsport, meinen Ruf und auch in finanzieller Hinsicht gezahlt, weil sich die Klagen weiter häufen“, ergänzte Armstrong. Von seinem Vermögen, das einst 125 Millionen Dollar betragen haben soll, habe er „massiven Verlust“ hinnehmen müssen, während andere durch diese Geschichte Profit geschlagen hätten.

Armstrong betonte, dass er bei den angehenden Untersuchungen alles tun werde, „um das Kapitel zu schließen“. Er habe nichts zu verlieren. In Bezug auf die Rolle des Radsport-Weltverbandes mit den umstrittenen Ex-Präsidenten Hein Verbruggen und Pat McQuaid habe es Dinge gegeben, die ein wenig „schattig“ gewesen seien. Trotzdem seien die Offenbarungen vielleicht nicht so „pikant“, wie die Leute vermuten.

Will er tatsächlich wieder einen sportlichen Wettkampf fernab der Hobbyklassen bestreiten, muss er aber wohl schon tiefere Einblicke als bislang in seine dunklen Machenschaften von einst geben. Eine Reduzierung der Sperre sei zwar möglich, aber der Wert der Informationen sei heute geringer als vor zwölf Monaten oder im Juni 2012, sagte Tygart der Nachrichtenagentur AP.

Armstrong hatte zuvor von einer „Vendetta“ (Blutrache) durch die USADA gegen ihn gesprochen. Dies wies Tygart zurück. Vielmehr sei es das Ziel von Armstrong und seinen Anwälten gewesen, eine persönliche Sache daraus zu machen. „Wir sollten unter Druck gesetzt werden“, ergänzte Tygart und verwies auf die Morddrohungen und Einschüchterungsversuche gegen ihn und seine Familie. Die USADA habe sich an die Regeln gehalten. „Wir haben ihm im Juni 2012 die Möglichkeit gegeben auszusagen, aber er hat es abgelehnt und uns stattdessen attackiert. Aber wir sind immer offen geblieben.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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