Doping in der Tour de France
Rasmussen-Fall gibt Verschwörungstheorien Nahrung

Doping und kein Ende; der Sumpf verschluckt immer mehr. Nach den Vorwürfen gegen Michael Rasmussen während der Tour de France schieben sich die Führungskräfte des Radsports den Schwarzen Peter für eine Bestrafung des Dänen gegenseitig zu.

HB ALBI. „Die Hauptverantwortung liegt bei Rasmussens Team Rabobank“, sagte der Manager der französischen Mannschaft Cofidis, Eric Boyer. Auch andere Mannschaften forderten Konsequenzen vom niederländischen Team. Dagegen wittert die Tour- Leitung hinter der Bekanntgabe von Wochen alten Doping-Vergehen Rasmussens und des T-Mobile-Fahrers Patrik Sinkewitz ausgerechnet während der Tour den Versuch einer „Destabilisierung“ des Radsport- Klassikers.

Unter den Fahrern macht sich Widerstand angesichts der abwiegelnden Haltung der Tour-Leitung gegen einen Verbleib des belasteten Rasmussen im Rennen breit. T-Mobile-Fahrer Marcus Burghardt sagte vor dem Zeitfahren in Albi: „Die Richtlinien sind klar: Rasmussen gehört nicht mehr ins Fahrer-Feld“. Der Fall, der die Tour in eine weitere Identitätskrise stürzte, hat auch die Spannungen mit dem Weltverband UCI weiter verschärft. UCI-Präsident Pat McQuaid wies energisch Behauptungen über eine Verschwörung zurück. Dies habe er auch im Gespräch mit Tour-Chef Christian Prudhomme klar gemacht, sagte McQuaid in „L'Equipe“. Prudhomme habe ihm am Telefon vorgeworfen, er wolle die Tour vernichten. „Nach drei oder vier Minuten habe ich das Gespräch beendet“, sagte McQuaid. „Ich erwarte jetzt eine Entschuldigung“, forderte der Ire.

Prudhomme hatte einen Rausschmiss von Rasmussen aus der Tour abgelehnt. Der dänische Radsport-Verband DCU, der Rasmussen aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen hat, habe zu spät auf die von Rasmussen verpassten Doping-Kontrollen reagiert. Streitpunkt sind die Verwarnungen, die gegen Rasmussen vom dänischen Verband und der UCI - in der Addition drei, die mit einem positiven Test gleichzusetzen sind - ausgesprochen wurden. Laut Tour-Organisation gibt es keinen konkreten Doping-Vorwurf und daher auch keinen Grund, ihn vom Rennen auszuschließen. Der dänische Verband DCU hatte Rasmussen einmal verwarnt, weil er vor Dopingkontrollen nicht wie angemeldet in Dänemark, sondern in Mexiko gewesen sei. Die UCI hatte Rasmussen aus dem gleichen Grund zwei Mal verwarnt.

Es gibt auch alte Vorwürfe gegen Rasmussen: Nach einem Bericht des Fachmagazins „Velonews“ hat der Däne im Jahr 2002 versucht, Doping- Präparate nach Italien zu schmuggeln. Wie der amerikanische Mountainbike-Fahrer Whitney Richards auf der Internet-Seite des Blattes berichtete, habe Rasmussen versucht, ihn 2002 als Kurier für ein nicht zugelassenes Hämoglobin-Präparat zu missbrauchen. Der Däne, aktueller Träger des Gelben Trikots bei der Tour de France, habe ihn gebeten, ein Paket mit Radfahrschuhen nach Italien zu bringen. Wie sich später herausstellte, seien in dem Paket jedoch keine Schuhe, sondern Beutel mit einem blutähnlichen Stoff gewesen.

Die Schweizer Zeitung „Le Nouvellist“ aus dem Wallis zog aus der Glaubwürdigkeits-Krise der Tour de France ähnliche Konsequenzen wie ARD und ZDF. In Form einer Todesanzeige teilte das Blatt das Ende der Berichterstattung über die Tour mit. Auch einige Wettbüros in Frankreich stornierten die Tour-Wetten.

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