Doping-Skandal
Tour startet ohne Favoriten

Beim morgigen Start der Tour de France wird nach einem gemeinsamen Beschluss der 21 Team-Manager sowie der Tour-Organisatoren auf alle im Doping-Skandal verdächtigten Fahrer darunter auch T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich verzichtet. Damit kämpfen auf der "Großen Schleife" nur noch wenige Favoriten um den Sieg.

HB PLOBSHEIM. Jan Ullrich steht vor dem Scherbenhaufen seiner wechselvollen Karriere, der Profi-Radsport zum Auftakt der Tour de France vor dem bisher größten Dopingskandal seiner Geschichte. Einen Tag vor der 93. Auflage hat die in Spanien aufgedeckte Affäre die Radsportwelt in ihren Grundfesten erschüttert. Die Frankreich- Rundfahrt beginnt am Samstag ohne ihre in die Affäre verwickelten Topstars Ullrich und Ivan Basso (Italien). Außerdem bekamen am Freitag Oscar Sevilla, Francisco Mancebo, Joseba Beloki (alle Spanien) und rund 20 weitere Fahrer die Rote Karte.

Die Verantwortlichen scheinen acht Jahre nach dem Festina-Skandal wirklich gewillt zu sein, den Doping-Sumpf trocken zu legen. "Wir haben jetzt die Chance auf eine wirklich andere Tour", sagte am Freitag ihr Direktor Christian Prudhomme. Ullrich und Sevilla wurden vom eigenen T-Mobile-Team suspendiert, die anderen nach einem Beschluss der Vereinigung aller sportlicher Leiter. Erst danach suspendierte auch CSC-Manager Bjarne Riis den Giro-Gewinner Basso bis auf weiteres. Die nicht zugelassenen Fahrer dürfen nach Prudhommes Worten nicht ersetzt werden, so dass T-Mobile mit sieben Profis antreten muss. Das erst am Donnerstag nach Intervention des Internationalen Sportgerichtshofes CAS wieder zugelassene "Astana- Würth"-Team ist von der jüngsten "Reinigung" nicht betroffen.

Unsicher war unterdessen auch, ob T-Mobile sein ursprünglich bis 2008 zugesichertes Engagement im Profi-Radsport jetzt überhaupt fortsetzen will. Der staatliche Wettanbieter Oddset stoppte sämtliche Tour-Wetten; die TV-Anstalten ARD/ZDF und Eurosport halten an der vorgesehenen Live-Berichterstattung von der Tour fest.

Für Jan Ullrich, den 32 Jahre alten Tour-de-France-Gewinner von 1997, ist der Traum vom zweiten Triumph bei der größten Radrundfahrt der Welt geplatzt. Die aus den Polizeiakten ersichtlichen Indizien ließen laut T-Mobile-Sprecher Stefan Wagner "keine andere Interpretation zu", als dass Teamchef Rudy Pevenage Kontakt zu dem spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes hatte, gegen den die spanische Justiz ermittelt. Die "schwarze Liste" der Guardia Civil hatte die Teamführung in der Nacht zum Freitag erreicht. Der erste Hammer fiel am Freitag kurz nach halb Zehn im feinen Golfclub von Plobsheim im Elsass: Ullrich, Sevilla und der sportliche Leiter Rudy Pevenage wurden wegen ihrer möglichen Verwicklung in den spanischen Doping-Skandal mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres suspendiert. Der in Dopingverdacht geratene Ullrich hatte sich fest vorgenommen, die Tour im Jahr eins nach Lance Armstrong zum zweiten Mal zu gewinnen. "Wir haben Indizien, dass es sich bei den Fahrern, die auf der Liste stehen, um organisiertes Doping gehandelt hat", sagte Prudhomme. Ullrich und Sevilla nach Hause zu schicken, nannte der nach der Tour ausscheidende Rundfahrt-Chef Jean-Marie Leblanc eine "mutige Entscheidung".

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