Doping-Skandale schrecken Medien nicht
Tour-de-France-Veranstalter polieren ihr Image

Der Radsport steckt in einer tiefen Krise. Auch kurz vor der am Samstag beginnenden Tour de France erschüttern Doping-Enthüllungen die Szene. Doch trotz aller Skandale und dem Fehlen einiger großer Mannschaften wie dem Team T-Mobile steht das weltweit drittgrößte Sportereignis finanziell auf stabilen Füßen.

PARIS. Sagenumwobene Anstiege, eine Fahrt ins Blaue, Erinnerungen an Salvador Dalí: Was Christian Prudhomme, Direktor der Tour de France, auf der Internetseite verspricht, klingt romantisch verklärt. Für ihn ist das am Samstag startende Radrennen ein „Volksfest“. Nicht ein einziges Mal erwähnt er das Wort Doping.

Dabei steckt der Radsport in einer tiefen Krise. Immer wieder erschüttern Doping-Enthüllungen die Szene. Die Tour macht auch in diesem Jahr keine Ausnahme: Drei Tage vor dem Start strich das Team Silence-Lotto das niederländische Nachwuchstalent Thomas Dekker aus dem Kader. Nachkontrollen einer Probe aus dem Jahr 2007 hatten ihn der Einnahme des Dopingmittels Epo überführt.

Viel steht auf dem Spiel, denn die Tour gilt nach den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft als das drittwichtigste Sportereignis. Der Veranstalter, die Gruppe Amaury Sport Organisation (ASO), hält sich mit genauen Zahlen über die Einnahmen zurück. Doch ein Sprecher sagte dem Handelsblatt, dass ASO einen Jahresumsatz von 150 Mio. Euro hat. Der Radsport trage 70 Prozent bei, wovon die Frankreich-Rundfahrt den Großteil ausmache. Die Hälfte der Tour-Einnahmen stammt aus Übertragungsrechten, 40 Prozent von Sponsoren und der Rest von Gastgeberstädten.

Bisher scheinen die Doping-Skandale Presse und Fernsehen nicht abzuschrecken. Wie 2008 werden rund 630 Medien berichten. Sender aus 189 Ländern zeigen die Tour – das sind neun Staaten mehr als 2008. Die Skandale haben sich laut ASO nicht auf die Finanzierung ausgewirkt: 33 Sponsoren sind dabei, einer mehr als im Vorjahr. Die Hauptsponsoren Vittel, LCL Banque, Carrefour und Skoda zahlen dem Vernehmen nach jeweils einen kleinen einstelligen Millionenbetrag. Die „Einnahmen sind seit Jahren stabil“, sagt ein ASO-Sprecher. Zuschauer nehmen im Schnitt 130 Kilometer Anfahrt in Kauf, um sich an die Strecke zu stellen. „Die Tour de France ist trotz der Doping-Skandale immer noch beliebt – gerade in Krisenzeiten, weil sie ein kostenloses Ereignis ist.“

Allerdings: Einige große Mannschaften sind abgesprungen, darunter das Team T-Mobile. Gerade in Deutschland geht die Kritik besonders weit. ARD und ZDF wollten sich von der Tour zurückziehen. Später machten die Sender einen Rückzieher vom Rückzug: Weil sie durch Verträge gebunden sind, übertragen sie die Tour jetzt doch live. Im Wechsel bieten sie aber nur je zehn Stunden an – früher waren es 40 Stunden.

Seite 1:

Tour-de-France-Veranstalter polieren ihr Image

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%