Doping-Trainer wollte sich das Leben nehmen
Skandalcoach Mayer spricht von Intrige

Eigentlich wollte er sich nur die Spiele in Turin anschauen, und das ganz privat. Aber das aus seinem Besuch einer der spektakulärsten Dopingfälle in der Geschichte Olympias entsteht, damit hat der gesperrte österreichische Coach nicht gerechnet. Jetzt meldet sich erstmals der Skandal-Trainer zu Wort.

HB WIEN/TURIN. Der vom Österreichischen Ski-Verband (ÖSV) entlassene Trainer Walter Mayer hat alle Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Doping-Skandal bei den Olympischen Winterspielen in Turin zurückgewiesen. "Dass daraus, dass ich privat in Italien bin, irgendein Skandal konstruiert wird, ist absurd. Da kann nur eine Intrige dahinter stecken", sagte der 48-Jährige in einem Interview mit der Info-Illustrierten "News". Zugleich bestätigte Mayer: "Ich wollte mir das Leben nehmen, weil meine Welt zusammengebrochen ist."

Seine Flucht aus Turin bezeichnete Mayer als "Panikreaktion", obwohl er sich nichts vorzuwerfen habe. Dass er mit einem Auto in ein Polizeieinsatzfahrzeug gerast sei, war ein Selbstmordversuch "in einer psychischen Ausnahmesituation". Seinen Aufenthalt bei den Winterspielen nannte er eine "reine Privatinitiative". Er sei vor Ort gewesen, um sich die Spiele anzusehen: "Ich hatte auch gar nichts mit, um irgendjemanden zu betreuen. Ich war als Privatperson in Italien."

Er bestätigte aber Kontakte mit Olympia-Teilnehmern. "Ja, ich habe mich freundschaftlich mit Freunden unterhalten, die ich teilweise seit über zehn Jahren kenne. Was soll daran ein Verbrechen sein", sagte der Österreicher. Auf die Nachfrage, wer Interesse an einer solchen Intrige haben könnte, antwortete Mayer: "Ich kann nur vermuten, dass der FIS nicht viel an meinem Ruf liegt." Als Grund dafür sieht er seinen bisher erfolgreichen Prozess gegen den Ski- Weltverband (FIS) wegen seiner Suspendierung für zehn Jahre von allen FIS-Veranstaltungen. Das IOC hatte ihn wegen der Blutbeutel-Affäre 2002 in Salt Lake City bis 2010 von Olympia verbannt.

Von den Dopingvorwürfen und der Fahndung gegen ihn hat Mayer nach seinen Angaben aus dem Radio erfahren. Daraufhin sei er in Panik geraten: "Ich wusste, da passiert mir jetzt Unrecht. Dieses Unrecht wollte ich von außen, von einer neutralen Stelle in Österreich aus aufklären." Als er dann in Österreich die Polizeisperre gesehen habe, seien ihm Selbstmordgedanken gekommen: "Mit dem Auto wollte ich mein Leben beenden." Mit Ausnahme des Unfalls habe er sich aber nichts vorzuwerfen.

Mayer bestreitet auch, dass in seinem Fahrzeug so genannte Biogeräte gefunden worden seien. "Das ist nicht möglich, weil ich keinerlei medizinische Geräte mitgehabt habe", beteuerte Mayer, der sich zur Zeit in psychiatrischer Behandlung befindet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%