Doping-Verdacht bei Österreichern
Schröcksnadel lehnt Rücktritt ab

Die Doping-Proben der österreichischen Langläufer und Biathleten waren alle negativ, doch der Verdacht ist noch nicht ausgeräumt - immerhin wurde belastendes Material gefunden. Forderungen nach einem Rücktritt von Peter Schröcksnadel werden lauter. Doch der Präsident des Österreichischen Skiverbands denkt gar nicht daran.

HB TURIN. "Diesen Gefallen werde ich denen nicht tun. Und drohen lass' ich mir schon gar nicht", bekräftigte er in einem Interview mit der österreichischen Zeitung "Kurier". Schröcksnadel, seit 16 Jahren im Amt, war wegen Fehlern im Krisenmanagement der Affäre auch vom Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) scharf kritisiert worden. Genugtuung, aber auch Zorn über die Anschuldigungen löste die Bekanntgabe der negativen Doping-Proben von zehn Athleten im ÖSV-Team aus.

"Drohungen mobilisieren bei mir nur zusätzliche Kräfte. Ich gebe sicher nicht auf", sagte der ÖSV-Chef und fügte an: "Und jetzt setze ich mich an den Fluss und warte, bis die ganzen Leichen vorbei schwimmen." Schröcksnadel war vor allem von ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth wegen einer Pressekonferenz zu dem Fall kritisiert worden. Zudem wurde dem ÖSV der Vorwurf gemacht, Walter Mayer, der den Doping-Skandal ausgelöst hatte und nach seiner Blutbeutel-Affäre 2002 in Salt Lake City bis 2010 für Winterspiele gesperrt war, in der Nähe des Olympia-Teams zumindest geduldet zu haben.

"Das war schlecht gemacht von uns. Dadurch ist eine Eigendynamik entstanden", gestand Schröcksnadel ein. Dennoch gibt er dem ÖOC eine Mitschuld an der Anwesenheit von Mayer, der vor den italienischen Behörden geflohen war, in der Turin-Region. "Ich bin nicht mehr bereit, das ÖOC zu schützen, speziell nicht Herrn Jungwirth", konterte er. Das ÖOC habe genau gewusst, dass Mayer da war. "Er war sogar mehrmals im Österreich-Haus, das nicht der Skiverband betreibt." Jungwirth sagte darauf am Samstag: "Da sind so viele falsche Dinge drinnen, Rundumschläge, die absolute Unwahrheiten enthalten."

Festhalten will Schröcksnadel auch an seinem Sportdirektor für Biathlon und Langlauf, Markus Gandler. "Den lass' ich niemals fallen", sagte er. Die Außendarstellung und den Streit zwischen den Verbänden auf olympischer Bühne findet der österreichische Staatssekretär Karl Schweitzer bedauerlich. "Viele Erfolge waren von negativer Begleitmusik begleitet. Vieles an Aufregung ist passiert, weil zwei wichtige Organisationen nicht ganz offen kommuniziert haben", kritisierte er. Eine vom ÖOC eingesetzte Untersuchungskommission soll zur Aufklärung der Affäre beitragen.

Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) will den Fall trotz der negativen Test-Ergebnisse der österreichischen Biathleten und Langläufer nicht auf sich beruhen lassen und hat eine weitere Untersuchung durch eine Disziplinarkommission angekündigt. Die Österreicher fühlen sich jedoch durch die veröffentlichten Kontroll- Resultate so gut wie rehabilitiert. "Nun sind wir rein gewaschen", erklärte Wallner. Sportdirektor Gandler nützte den IOC-Bescheid, um seiner Empörung gegen die Behandlung der Sportler - die danach in beiden Staffeln chancenlos waren - bei der nächtlichen Doping-Razzia am 18. Februar Ausdruck zu verleihen: "Es wurden uns zwei faire Chancen genommen. Ich wünsche mit eine Neuaustragung."

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