Doping-Verdacht gegen Landis erhärtet
Probe enthielt synthetisches Testosteron

Der Doping-Befund bei dem Gewinner der diesjährigen Tour de France, Floyd Landis, enthielt synthetisches Testosteron. Der Welt-Radsport-Verband UCI bestätigte am Samstag Laborergebnisse aus Paris, nach denen auch die B-Probe positiv ausgefallen ist.

HB PARIS. Das Labor Chatenay-Malabry hat nach Angaben des Chefs der französischen Anti- Doping-Kommission, Pierre Bordry, das synthetische Testosteron in den Dopingproben gefunden. Dies bedeute, dass das bei dem Amerikaner entdeckte Testosteron nicht auf natürliche Weise produziert worden sei. Bordry bestätigte damit am Samstag eine Meldung der „New York Times“ vom Dienstag. „Ich habe vom Chatenay-Malabry-Laboratorium eine Mitteilung erhalten, die besagt, dass die B-Probe von Floyd Landis' Urin Testosteron enthält, das von außen eingeführt worden ist“, sagte Bordry. Landis hatte bislang behauptet, das Testosteron sei „natürlich und von meinem eigenen Organismus produziert“. Die am Samstag veröffentlichte B-Probe hatte das Ergebnis der A- Probe bestätigt, nach der der Amerikaner am Ende der 17. Tour-Etappe positiv auf Testosteron getestet worden war.

„Im Einklang mit den Anti-Doping-Regeln wird die Anti-Doping-Kommission des UCI fordern, dass der US-Radsport-Verband ein Disziplinarverfahren gegen den Fahrer einleitet“, hieß es in einer Stellungnahme. Dem 30-jährigen US-Amerikaner vom Schweizer Rad-Team Phonak droht nun die Aberkennung des Titels und eine mehrjährige Sperre. Dies wäre die erste Disqualifizierung eines Tour-Siegers wegen Dopings in der Geschichte der legendären Rundfahrt. Zweiter der Tour wurde der Spanier Oscar Pereiro vor dem Deutschen Andreas Klöden vom T-Mobile-Team.

Bei Landis war nach einer Etappe bei der Tour ein ungewöhnlich hoher Wert des männlichen Hormons Testosteron festgestellt worden. Bei dieser 17. Etappe nach Morzine in den französischen Alpen hatte er mit einer enormen Kraftanstrengung und einer kilometerlangen Alleinfahrt wieder dramatisch Boden in der Gesamtwertung gut gemacht.

Landis hatte beteuert, sein Körper produziere sehr viel Testosteron. Der Fahrer hat zehn Tage Zeit, um auf die Dokumente zu antworten. Dann wird der Fall an ein Prüfungsgremium weitergegeben. Sollten Landis Anwälte bei möglichen Sanktionen vor Gericht ziehen, könnte sich die Angelegenheit in die Länge ziehen. Die diesjährige Tour de France war von vornherein vom Thema Doping dominiert. Unmittelbar vor dem Tourstart waren zahlreiche Favoriten, wie der damalige T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich oder der Italiener Ivan Basso, wegen Doping-Verdachts von ihren Teams suspendiert worden. Ulrich und Basso weisen alle Vorwürfe von sich.

Nach Bekanntwerden des positiven Dopingbefunds hat das Schweizer Rad-Team Phonak den Tour-de-France-Gewinner umgehend entlassen. „Landis wird fristlos entlassen, weil er den internen Ethik-Code der Mannschaft verletzt hat“, erklärte Phonak am Samstag. Der Fahrer habe zwar weiterhin rechtliche Möglichkeiten, gegen den Befund vorzugehen. Dies werde jedoch seine persönliche Angelegenheit sein. Phonak bedauere die Entwicklung. In der Erklärung wird eine ausführliche Stellungnahme der Teamleitung in den nächsten Tagen angekündigt.

Landis will nicht aufgeben

Der 30 Jahre alte Radprofi will nun immer noch nicht aufgeben. Schon vor Bekanntgabe des Ergebnisses der B-Probe teilte er auf seiner Homepage (Floydlandis.com“) mit: „Ich werde kämpfen, um meinen Namen zu säubern. Ich habe bei der Tour de France nicht aufgegeben und werde jetzt auch nicht aufgeben. Ganz gleich, was die B-Probe aussagt.“ In knapp drei Wochen wird sich das Review-Panel der Anti-Doping- Agentur der USA (USASDA) beide Seiten anhören und anschließend eine Entscheidung treffen. Diese könnte Landis allerdings vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) anfechten. „Die Entscheidung heute ist erst der Beginn eines langen Prozesses. Wir rechnen frühestens im Dezember oder Januar mit einer endgültigen Entscheidung“, betonte Landis-Anwalt Jose-Maria Buxeda.

Allerdings wird der Druck auf den Radprofi immer größer. „Uns ist klar, dass es nun an uns ist, zu beweisen, warum der Test positiv war. Entweder können wir zeigen, dass ein Fehler in der Analyse des Labors vorlag oder dass andere Begleitumstände den hohen Testosteron- Wert erklären“, betonte der Landis-Anwalt. Und ergänzte: „Vielleicht lag es an den Schilddrüsen-Tabletten, die er einnahm, vielleicht am Alkohol, den er am Abend vor dem Test trank, oder vielleicht lag es an beidem.“

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