Dopingindustrie
Fahnder fürchten die Genspritze

Eisläufer, Reiter, Radfahrer - etliche Sportler stehen derzeit unter Dopingverdacht und bringen ihre Sportarten in Verruf. Die Verbände reagieren mit harten Strafen und noch härteren Kontrollen. Doch der Wettlauf um den sauberen Sport scheint aussichtslos. Die Dopingindustrie entwickelt längst Methoden, denen heutige Testverfahren nicht gewachsen sind.

DÜSSELDORF. Die Tour de France bekam schon vor dem Start ihr Fett weg: „Apotheker-Rundfahrt“ war noch eine harmlose Bezeichnung. Doch beim wichtigsten Radrennen der Welt lagen die Medien auch in diesem Jahr nicht ganz verkehrt: Nur drei Tage vor Beginn überführten die Doping-Fahnder das niederländische Nachwuchstalent Thomas Dekker mithilfe einer neuen Analysetechnik.

Längst ist der Radsport nicht mehr die einzige Sportart, die regelmäßig für Doping-Schlagzeilen sorgt: Zuletzt gerieten Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth sowie die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin, die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, unter Verdacht. Es scheint, als ob die Kontrolleure den Wettlauf gegen unsaubere Athleten gewinnen – doch das ist nur eine Momentaufnahme. Dem Sport droht ein Problem, dem heutige Methoden noch nicht gewachsen sind: Gendoping.

Was wie ein Horrorszenario aus einem Science-Fiction-Film anmutet, könnte irgendwo auf der Welt bereits Realität sein: In einem geheimen Labor pflanzen Biochemiker neues Genmaterial in den Bizeps eines Leistungssportlers ein. Kurz darauf erhebt sich dieser von der Liege und spannt seine neuen Muskelpakete an.

Im Jahr 2002 schien die Vision durch ein neues Produkt, dem Repoxygen, plötzlich real. Die britische Firma Oxford Biomedica entwickelte das Mittel, um Blutarmut zu heilen. Es gelang, mit Repoxygen das menschliche Epo-Gen in die Muskelzellen von Mäusen einzuschleusen. Das Gen sorgt dafür, dass die Muskeln vermehrt das Hormon Erythropoetin (Epo) produzieren. Dadurch entstehen mehr rote Blutkörperchen, die im Körper Sauerstoff transportieren.

Dann wurde bekannt, dass sich der in mehrere Doping-Affären verwickelte Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein für das Mittel interessierte – und die öffentliche Aufregung war groß. Oxford Biomedica hat die Entwicklung nach eigenen Angaben aus Kostengründen inzwischen eingestellt.

Das Problem ist damit aber nicht vom Tisch: Kürzlich setzte die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada einen weiteren genmanipulierenden Stoff auf die Liste der verbotenen Substanzen. Er heißt GW 501516 und soll Fettleibigkeit und Diabetes therapieren. Sportler könnten mit ihm mehr Energie aus ihrem Körper ziehen. Mäuse steigerten ihre Leistung durch GW 501516 um 44 Prozent – ganz ohne Training.

Um Missbrauch vorzubeugen, müssen Wissenschaftler parallel zur Entwicklung solcher Substanzen die entsprechenden Dopingtests entwickeln. Im März glückte erstmals ein Nachweis von Gendoping: Wissenschaftler am Zentrum für Präventive Dopingforschung (ZePräDo) der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelten ein Verfahren, um GW 501516 im Blut aufzuspüren. Ein Urintest ist laut Sprecher Mario Thevis in einigen Monaten einsatzbereit.

Seite 1:

Fahnder fürchten die Genspritze

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%