Dopingskandal
Die geköpfte Tour

Der wahrscheinlich größte Doping-Skandal der Radsportgeschichte kam ausgerechnet kurz vor der Tour de France. Während eine geschockte Öffentlichkeit schweigt, beteuert der ebenfalls beschuldigte Jan Ullrich seine Unschuld. Unterdessen startet eine glanzlose Tour ohne ihre Top-Favoriten.

HB STRASSBURG. Jan Ullrich und Rudy Pevenage brüten mit Anwalts-Hilfe über Verteidigungsstrategien, T-Mobile wartet auf weitere Unterlagen der spanischen Polizei und die Öffentlichkeit ist geschockt: Der wahrscheinlich größte Doping-Skandal der Radsport- Historie hält die Sportwelt in Atem. "Das Doping hat die Tour de France geköpft. Dem Radsport droht ein langsamer Tod", schrieb das spanische Blatt "Marca". Die italienische Zeitung "La Repubblica" verglich die Tour, die am Samstag mit dem Prolog begann, mit einem "60 Kilometer schnellen Leichenzug".

Nachdem sich Ullrich in die Opfer-Rolle geflüchtet hatte und in die Schweiz zurückkehrte, warteten am Samstag im sonnigen Straßburg auch viele deutsche Fans mit Pro-Ullrich-Spruchbändern auf den Start der Rumpf-Tour, zu der nur noch 176 Profis antraten.

Über Pevenage kursierten am Samstag von der Guardia Civil dokumentierte SMS-Texte mit der Schlüssel-Figur der Affäre, dem Gynäkologen Eufemiano Fuentes. Datum der codierten Handy- Kommunikation zwischen dem Ullrich-Betreuer und Fuentes: Einen Tag vor dem Zeitfahren des Giro d'Italia, das der T-Mobile-Kapitän überraschend gewann. "Ich kann dazu erst etwas sagen, wenn ich die Polizei-Unterlagen vorliegen habe und dann gegebenenfalls einen Anwalt eingeschaltet habe. Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen", sagte der nach Gent/Belgien zurückgekehrte Pevenage der dpa.

Ullrich hatte vor seiner Abreise zu seinem Wohnort am Vortag erneut seine Unschuld beteuert. "Ich bin in einem absoluten Schockzustand", sagte er, "das ist das Schlimmste, was mir bisher in meiner Karriere passiert ist." Er sehe sich als Opfer und werde versuchen, seine Unschuld mit Hilfe eines Anwalts zu beweisen. "Ich kann nur sagen, dass ich nach wie vor nichts mit der Sache zu tun habe."

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