Dopingskandal
Russland droht der Ausschluss von den Winterspielen 2018

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Tagebucheinträge mit neuen Details

Moskau hatte eine Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen bei der Dopingbekämpfung zugesagt, um sich zu rehabilitieren. Das Eingeständnis von Staatsdoping wird von der russischen Führung aber strikt abgelehnt.

Ausgerechnet nun droht neues Ungemach von einem alten Bekannten: Einem Bericht der britischen Zeitung „Daily Mail“ zufolge hat Grigori Rodtschenkow, ehemals Russlands oberster Dopingaufseher, weiteres belastendes Material zusammengetragen und an die Untersuchungsausschüsse des IOC weitergegeben.

Rodtschenkow ist Kronzeuge der Anklage: Er war Ende 2015 in die USA geflüchtet, wo er unter Zeugenschutz steht. Er spricht von einem staatlich organisierten Dopingsystem in Russland, berichtete unter anderem, wie Forscher schwer nachweisbare Steroid-Cocktails entwickelt und positive Urinproben bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi vertuscht und vernichtet hätten.

Aufgrund der von Rodtschenkow gelieferten Datenbank wurden mehrere russische Athleten gesperrt und mussten ihre Medaillen zurückgeben. Zuletzt traf es sechs russische Skiläufer, darunter auch der 50-Kilometer-Langlauf-Olympiasieger Alexander Legkow.

Das neue Material lieferte Rodtschenkow offenbar unter Zeitdruck. Der Schweizer Dennis Oswald, dessen Kommission speziell die Dopingvergehen bei den Winterspielen in Sotschi untersuchen soll, hatte den Ex-Direktor des Moskauer Dopinglabors dazu aufgefordert, zügig Belege beizubringen. Ansonsten würden die Vorwürfe im Bericht der Kommission nicht berücksichtigt.

Noch ist unklar, welcher Art die neue Beweise sind. Allerdings drohte Rodtschenkow damit, die Vorwürfe an die Öffentlichkeit zu bringen, falls das IOC sie nicht ausreichend berücksichtigen werde. Die russische Sportzeitung „Sport Express“ berichtet, dass es sich um Tagebücher des früheren Dopinglabordirektors handle. Das IOC habe die Authentizität der Einträge bereits bestätigt.

Wollte sich Rodtschenkow nicht selbst belasten?

Warum die Tagebücher so lange unter Verschluss blieben und nicht gleich veröffentlicht wurden, bleibt dabei offen. „Sport Express“ vermutet, dass Rodtschenkow sie ursprünglich nicht freigeben wollte – möglicherweise, um sich nicht selbst zu belasten.

Immerhin war er ja selbst jahrelang aktiv am Doping russischer Sportler beteiligt.  Nun hole er die Tagebücher als „letztes Ass im Ärmel“ hervor, um die Entscheidung des IOC zu zementieren.

In Moskau wurden die Meldungen über die neuen Vorwürfe mit unverhohlener Skepsis aufgenommen: „Das ist eine politische Verschwörung, die von irgendjemandem finanziert wird“, sagte Alexej Barannikow, zweifacher Olympiateilnehmer für Russland in der Nordischen Kombination.

Das „Gängelband der WADA“

Die Affäre solle Russland endgültig fertigmachen. Als Aktiver hätte er sich allen Sanktionen für einen Olympiastart unterworfen, „doch sich am Gängelband der WADA führen zu lassen, ist absolut falsch“, sagte Barannikow weiter. Wenn Russland anerkenne, dass es ein staatlich gefördertes Dopingsystem gegeben habe, „bedeutet das die totale Niederlage“, fügte er hinzu.

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  • Man sollte die Hersteller von den Pillen auf die Kleidung der Sportler drucken, so hätte der Verbraucher eine echte Information über den Stoff der gut ist. Das wäre Marktwirtschaft und nach dem Grundgesetz einwandfrei. Von mir aus, soll jeder
    mit der besten Pille gewinnen. Ehrlich währt am Längsten also, die Pillen-Firma aufs Trikot.

  • Es gibt verschiede Art von Arschlöcher! Dieser ist der Größte!
    Sein Geburtsland in die Kake zu hauen, ist unanständig!
    Viele Sportler in Rußland, die mit Doping nichts zu tun haben, leiden für nichts!
    Die WADA sollte die Amis unter die Lupe nehmen, Sie haben ein Medikament, die WADA nicht identifizieren kann. Wenn man in Sommerspielen die Turnerin ansieht, die dermaßen Hyperaktiv sind und unter Umständen 1 Woche ohne Schlaf aktiv turnen könnten!
    In Sog der Propaganda ist Russland leicht alles schlechteste der Welt unter zu schieben. Keine Sau schaut auf sich selbst!
    Beschämend!
    Nehmen wir Felix Sturm - gedoppt, wie lange er das schon gemacht hat, interessiert keinen!

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