Druck auf Trainer steigt
Viel riskiert, alles verloren

Langlauf-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher übernimmt sich im ersten WM-Rennen und belegt nur Rang 18. Ohne das Risiko hätte sie erst gar keine Chance gehabt.

OBERSTDORF. Wenn nicht auf der Anzeigetafel im Hintergrund andere Zahlen aufleuchten würden, man könnte glauben, die Langläuferin Evi Sachenbacher ist Weltmeisterin geworden. Fröhlich blinzelnd steht die 24-Jährige in der strahlenden Sonne im Langlaufstadion von Oberstdorf - und kichert. Eine Aussage ihres Trainers Wolfgang Pichler, der neben ihr steht, amüsiert sie besonders. "Nein, gefeuert wirst du nicht", sagt Evi Sachenbacher.

Gefeiert wird der Langlauftrainer Wolfgang Pichler im Moment wirklich nicht. Nach dem 18. Platz von Evi Sachenbacher beim WM-Lauf über 15 Kilometer steigt der Druck auf ihren persönlichen Trainer. "Das ist eine schwere Stunde für uns", sagt Pichler. Der Olympiasiegerin mit der Staffel und Silbermedaillengewinnerin im Sprint von Salt Lake City fehlten rund eineinhalb Minuten auf die Siegerin Katerina Neumannova aus Tschechien. Gegenwärtig kann sie mit der Weltspitze nicht mithalten. "Die Saison wird auch nicht mehr der große Hit werden", sagt der Trainer. Er hat die Aufgabe erst vor dieser Saison übernommen, steigerte den Trainingsumfang erheblich. Doch die Erfolge bleiben aus. "In der Fußball-Bundesliga würde so ein Trainer jetzt gefeuert werden", sagt Pichler, "ich mache das nebenberuflich, deshalb ist das für mich kein Problem."

Allerdings bildete Sachenbachers Platzierung noch die beste im deutschen Team. Anke Reschwamm-Schulze landete auf Rang 21, Stefanie Böhler auf Platz 25, Nachwuchsläuferin Nicole Fessel sammelte auf Rang 56 ihre erste WM-Erfahrung. "Wir können nicht zufrieden sein", sagt Bundestrainer Jochen Behle, "wir wollten eigentlich um Platz zehn herum laufen." Doch Evi Sachenbacher beging auf der sehr anspruchsvollen Strecke den Fehler, mit der hinter ihr gestarteten Russin Juljia Tschepalowa mithalten zu wollen. "Es war mein Tod heute", sagte Evi Sachenbacher, "aber ich musste es versuchen, um eine gute Platzierung zu erreichen." Pichler unterstützte diese Taktik. "Wenn sie es nicht riskiert hätte, hätte sie überhaupt keine Chance gehabt", sagt er.

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