Durch mehr Überholmanöver soll die Formel 1 wieder attraktiver werden: Spannung durch Spurwechsel

Durch mehr Überholmanöver soll die Formel 1 wieder attraktiver werden
Spannung durch Spurwechsel

Natürlich wünscht sich Jean Todt, dass Michael Schumacher im Herbst zum achten Mal Formel-1-Weltmeister wird. Schließlich ist Todt Technischer Direktor von Schumachers Rennstall Ferrari. Doch er weiß auch, dass der Mangel an Spannung in Formel-1-Rennen langfristig nicht nur seinen Job, sondern seine Branche bedroht.

MÜNCHEN. Die Zuschauerzahlen sind rückläufig, die Show war nicht gut zuletzt. "Ich bete, dass es wieder mehr Überholmanöver geben wird", sagt Todt. Und die Rennen dadurch wieder attraktiver werden.

Einiges spricht dafür, dass sein Wunsch bereits zum Saisonbeginn am Sonntag in Melbourne erfüllt wird. Der Motorsport-Weltverband Fia hat die umfangreichste Regeländerung seit zehn Jahren durchgesetzt - offiziell, um die Geschwindigkeiten zu reduzieren. Dass die Show dabei aufgepeppt wird, ist mehr als nur ein Nebeneffekt. Hauptpunkt war die Aerodynamik der Wagen. Ihr hoher Stellenwert hat zu einem Mangel an Überholmanövern geführt. "Sobald man hinter einem anderen Wagen fuhr, verlor man in den Kurven Abtrieb und dadurch Geschwindigkeit", sagt Todt. Durch eine Regeländerung und entsprechende Umbauten verlieren die Autos nun etwa 30 Prozent ihres aerodynamischen Abtriebs.

Künftig steigt die Bedeutung des einzigen anderen Faktors, der die Autos in Kurven auf der Straße hält: der Reifenhaftung. Doch das Auto wird viel schwieriger zu kontrollieren sein. Die Rechnung der Fia ist einfach: Das Fehlerpotenzial steigt - und Fehler erleichtern Überholmanöver. Takuma Sato, Pilot bei BAR-Honda, bestätigt dies: "Das Auto driftet nun eher durch die Kurven. Manchmal bricht es regelrecht aus." Auch Weltmeister Michael Schumacher rechnet damit, dass "man als Fahrer künftig viel mehr gefordert wird". Dagegen sagt BMW-Williams-Fahrer Nick Heidfeld, "dass sich die neuen Autos viel ähnlicher zu den alten verhalten, als ich erwartet hatte".

Die unterschiedlichen Bewertungen könnten an den verschiedenen Fahrstilen liegen. Aggressive Fahrer wie Sato oder Juan Pablo Montoya (McLaren) werden es schwer haben, weil die Reifen von nun an während Qualifikation und Rennen nur noch gewechselt werden dürfen, wenn sie beschädigt sind. Ein Vorteil für Material schonende Piloten wie Heidfeld oder Schumacher. "Das Wichtigste wird sein, diesen einen Satz Reifen so schonend zu nutzen, dass man sicher damit über die Dauer des Rennens kommt", sagt Schumacher. Künftig wird nicht mehr wie bisher der Start, sondern die Schlussphase eines Rennens entscheidend sein.

Durch die verbotenen Reifenwechsel müssen die Teams neue Strategien entwickeln. Boxenstopps wird es weiterhin geben, denn das Auftanken bleibt erlaubt. "Vielleicht baut jemand einen riesigen Tank und versucht, mit nur einem Stopp durchzufahren", sagt BAR-Testpilot Enrique Bernoldi. Der letztjährige WM-Dritte Jenson Button rechnet mit grundlegenden Änderungen: "Bisher waren es durch die Reifenwechsel eigentlich drei oder vier Sprintrennen, jetzt wird es eher eine Ausdauerveranstaltung." Zudem müssen die Motoren nun zwei Rennen halten.

Hier zeigt sich die Schwachstelle des neuen Regelwerks. Wer ein Rennen auf Grund eines technischen Defekts nicht beendet, darf im nächsten einen neuen Motor einbauen. "Das könnte jemanden, der nur auf Platz zehn herumfährt, dazu verleiten, einen Defekt vorzutäuschen", sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Gescheitert sind die Fia-Verantwortlichen auch mit ihrem Ansinnen, die Autos langsamer zu machen. Die Rundenzeiten sind schon wieder auf Vorjahresniveau.

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