E-Sport
Profi-Daddler locken Weltkonzerne

Noch hat es der E-Sport in Deutschland schwer: Computerspieler gelten als Freaks, und noch immer sind Programme wie Counter-Strike als "Killerspiele" verschrien. Doch das Interesse der Wirtschaft an E-Sport wächst rasant, Computerspieler in Fernost steigen bereits zu Großverdienern auf.

KÖLN. In seiner Welt steht Jérôme Tóth auf einer Stufe mit Dirk Nowitzki: Er gewann vergangenes Jahr den Titel als wertvollster Spieler seiner Liga - so wie der Basketball-Star aus der US-Profi-Spielklasse NBA im Jahr 2007. Vier Stunden täglich trainiert Tóth, reist für Turniere nach Spanien, China oder in die USA. Im Dezember feierte der 23-Jährige mit seinem Team die deutsche Vizemeisterschaft - in der Counter-Strike-Bundesliga. Er ist ein "E-Sportler", ein Computerspiel-Profi. Doch während NBA-Star Nowitzki weltberühmt ist, kennt Tóth kaum jemand. Sein Autogramm ist nur bei Insidern gefragt.

Der E-Sport kämpft um öffentlichche Anerkennung. In Deutschland hat es die Zocker-Gemeinde schwer: Computerspieler gelten als Freaks, und noch immer sind Programme wie Counter-Strike als "Killerspiele" verschrien. Ganz anders sieht das in Asien aus: In Ländern wie Korea oder Japan verdienen Profispieler mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr. Ihre Meisterschaften tragen sie in Fußballstadien aus, angefeuert von Zehntausenden Fans. Mehrere Dutzend Länder haben E-Sport bereits als offizielle Sportart anerkannt, darunter China, Brasilien und die USA.

Auch in Deutschland erlebt der E-Sport nun einen Aufschwung: Nach einer aktuellen Studie der Universität Stuttgart kämpfen hierzulande fast 100 Profi-Teams um Punkte und Preisgelder. Die fünf größten Mannschaften der Bundesliga "Electronic Sports League" (ESL) haben ein Budget von 200 000 bis 800 000 Euro pro Jahr. Mehrere Manager kümmern sich um Vermarktung, Sponsoren und Betreuung der Spieler. "Die Spitzenteams sind deutlich professioneller aufgestellt als andere Sportvereine", sagt Christian Stahl, Geschäftsführer des Instituts für Sport- und Bewegungswissenschaft an der Uni Stuttgart. "Dieser Trend wird sich noch verstärken."

Auch der Klub von Jérôme Tóth ist längst mehr als ein Ensemble von Freizeit-Daddlern. Der Verein mit dem Namen "N!Faculty" hat die Profi-Sparte, bei der 20 Spieler unter Vertrag stehen, als eigene Gesellschaft abgespalten. Hauptsponsor ist der Netzteile-Hersteller Maxpoint, Taschen und Trikots stellt der Sportartikelproduzent Jako. Das Interesse von Sponsoren sei in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen, sagt der Vereinsvorsitzende Frank Pinter. "Wir bieten eine perfekte Zielgruppe: Die Spieler sind zumeist im Alter von 16 bis 23 Jahren und dazu technikbegeistert."

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