Ein Porträt seiner Fehler
Der Problemfall Poss

Greg Poss steht nach dem bitteren Abstieg stark unter Druck. Wahrscheinlich ist, dass er in den nächsten Tagen entmachtet wird. Er leistete sich einfach zu viele Fehler. Für die momentane Situation ist er jedoch nicht der allein Schuldige.

HB WIEN. DEB-Trainer Greg Poss war mit großen Visionen vom Halbfinale und offensivem, attraktiven Eishockey angetreten. Jetzt hat er die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft jedoch in die Zweitklassigkeit geführt. Zwei Jahre nach dem Viertelfinalkrimi von Turku, als die DEB-Auswahl - unter Hans Zach - erst in der Verlängerung gegen den späteren Weltmeister Kanada ausschied, ist sie wieder ganz unten, in einer Liga mit Israel und Kroatien.

Natürlich ist Bundestrainer Poss nicht der Alleinschuldige am WM-Desaster. Er ist mit seinem Offensivsystem gescheitert - keine Frage. Sein taktisches Zurückrudern machte das Team noch konfuser, mit der Mannschaftsführung war er überfordert, viele Spieler akzeptierten ihn nicht und machten das durch heftige Wortgefechte an der Bande oder gezielte öffentliche Kritik auch deutlich. Dazu kommen Fehler im Coaching während der Spiele und falsche Personalentscheidungen. Genug, um schnell einen Schlussstrich zu ziehen.

Aber auch andere müssen sich fragen lassen, welchen Anteil sie am WM-Debakel haben. Die Spieler etwa, die in der angeblich so starken DEL, in der AHL oder sogar in der NHL sehr gutes Geld verdienen und nicht einmal gegen Eishockey-Cracks der Nordsjaelland Cobras oder von AaB Aalborg ein Unentschieden schaffen können. Und natürlich auch die Verbandsführung, die schon vor der WM den Vertrag mit Poss verlängerte - obwohl bereits beim Deutschland-Cup im November nach dem Amtsantritt des US-Amerikaners zu erkennen war, dass die von ihm propagierte Systemumstellung ein Risiko birgt.

Jetzt steckt diese Verbandsführung in einem Dilemma. Sie hat einen Trainer, den sie nicht mehr haben will, aber noch bezahlen muss. Dessen Vorgänger, der den Erfolg hatte, den sein Nachfolger versprach, ließ sie - nicht ohne eigenes Verschulden - gehen und bekommt ihn jetzt wohl nicht zurück. Eine kurzfristige Lösung muss also her, bis 2006 andere Trainer - und das Geld aus dem Poss-Vertrag - frei werden. Franz Reindl, der die Nationalmannschaft schon beim World Cup coachte, ist die am nächsten liegende Lösung. Für Olympia 2006 und die B-WM, bei der dann die hochbezahlten DEL-Stars vielleicht in Japan gegen Israelis spielen - und hoffentlich nichts mehr von großem Druck und Verunsicherung erzählen.

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