Ein Team aus Hoffnungsträgern
Deutsche Langläufer wollen die Statistik ausbauen

Nur zehn Mal konnten sich Athleten aus Ost- und Westdeutschland in der Geschichte der Winterspiele auf dem Siegerpodest feiern lassen. Das soll sich 2006 in Turin ändern. Im deutschen Team gibt es eine ganze Reihe an Hoffnungsträgern.

HB TURIN. Geht es nach der Statistik, hat Jochen Behle Recht. "Deutschland ist keine Langlauf-Nation", sagt der Cheftrainer der deutschen Skilangläufer. Besonders deutlich wird dies eben bei Betrachtung der Olympia-Medaillen. "Das ist ausbaufähig", betont Behle.

Wahrscheinlich schwebt dem Willinger das Ergebnis der DDR von 1980 vor, als in Lake Placid gleich drei der bisherigen vier Goldmedaillen gewonnen wurden. Doch dies als Ziel für die Wettbewerbe in Pragelato auszugeben, käme Behle nie in den Sinn. Viel zu stark ist die internationale Konkurrenz mit Norwegen, Russland und einzelnen Läufern aus Italien, Schweden, Frankreich und Finnland. Doch ein paar Medaillen sollten es schon sein.

Ein ganzes Arsenal von Kandidaten hat Behle in seiner Mannschaft. Allen voran Axel Teichmann. Der Bad Lobensteiner ist der perfekteste Langläufer im deutschen Team, beherrscht die klassische und freie Technik wie kein anderer, besticht durch Willensstärke und taktische Raffinesse. Sein einziger Makel: Er ist extrem anfällig für Erkältungen. Dies führte dazu, dass Teichmann in diesem Winter nur sporadisch zum Einsatz kam, seine Siegesserie aus der WM-Saison nicht wiederholen konnte und die Verteidigung des Gesamtweltcup- Erfolges von 2005 frühzeitig ad acta legen musste. "Für mich zählt nur Olympia", hatte der Thüringer, Weltmeister von 2003 über 15 km klassisch, bereits frühzeitig betont. Über seine wahre Form rätselt die Konkurrenz deshalb. Doch sollte er gesund bleiben, ist er in jedem Rennen, für das er gemeldet wird, ein Medaillenkandidat.

Teichmann ist nicht der einzige Hoffnungsträger. Der Vachendorfer Tobias Angerer, seit Sommer vergangenen Jahres in der Oberhofer Trainingsgruppe von Teichmann aktiv, mischt den Weltcup in diesem Winter auf, läuft wie in einem Rausch und ist hungrig auf Olympia. Ganz anders sieht es bei Jens Filbrich aus. Der Frankenhainer erhielt erst am 9. Januar Gewissheit darüber, dass seinem Start in Turin nichts im Wege steht. Seine genetisch bedingten hohen Hämoglobinwerte sorgten für Doping-Diskussionen und die Gefahr einer Schutzsperre während der Winterspiele. Doch buchstäblich bei letzter Gelegenheit gelang es dem Deutschen Skiverband (DSV), beim Weltverband FIS eine Ausnahmegenehmigung für den Thüringer zu erwirken.

Was von den Routiniers Andreas Schlütter (Oberhof) und René Sommerfeldt (Oberwiesenthal) zu erwarten ist, ist schwer einzuschätzen. Der Formaufbau stimmt bei beiden, die Leistungen schwankten in dieser Saison aber mächtig. Für Überraschungen sind sie dennoch gut.

Die Qual der Wahl hat Behle bei den Frauen nicht. Mit Claudia Künzel (Oberwiesenthal) und Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl) kommen zwei Läuferinnen für vordere Platzierungen in Frage. Mehr denn je wird sich das Team auf die Staffel konzentrieren, die vor vier Jahren überraschend Gold gewann und ein Jahr später Weltmeister wurde. Manuela Henkel (Oberhof) und Viola Bauer (Oberwiesenthal), die schon damals zu den "Golden Girls" gehörten, unterstrichen mit zuletzt starken Platzierungen ihre Anwartschaft auf einen Platz im Quartett, in das auch Steffi Böhler (Ibach) unbedingt vordringen möchte. Eine Wiederholung des Staffel-Triumphes wäre eine Überraschung. Norwegen mit der bislang überragenden Marit Björgen sowie die Russinnen scheinen den Behle-Frauen den Rang abgelaufen zu haben.

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