Eine Million Fans empfangen ihre Helden
Barcelona taumelt im Glück

Die Meisterfeier der Fußballer wird zur Mischung aus heiliger Messe und Karneval. Das Herz Kataloniens feiert den Triumph über Real und die ungeliebte Hauptstadt.

BARCELONA. Was für ein Fest! Was für eine Ekstase! Die Straßen gesäumt mit blauroten Fahnen, in der ganzen Stadt jubelnde Menschenmassen, immer wieder Sprechchöre: "Campeones, campeones". Barcelona taumelt im Glück. Nichts tut der katalonischen Seele so gut wie der Gewinn des spanischen Meistertitels.

Sechs Jahre mussten die Fans darauf warten, und jetzt endlich, endlich ist der Titel da, nach einem alles andere als brillanten Spiel gegen den Abstiegskandidaten Levante. Zunächst gab es kollektives Haareraufen, als Rivera den Außenseiter in Führung brachte, dann Erleichterung nach Samuel Eto?os Ausgleichstreffer in der 60. Minute und schließlich nervöses Zittern während der letzten endlosen halben Stunde, bis Gewissheit herrschte: Barcelona ist Meister! Zwei Spieltage vor Saisonende haben die Katalanen sechs Punkte Vorsprung vor dem ewigen Rivalen Real Madrid. Eine Million Fans bereiten ihrem Klub einen Empfang, wie ihn die Stadt seit dem Gewinn der Champions League 1992 nicht mehr erlebt hat.

Ein Jubelschrei geht durch die Menge auf der Plaza Catalunya, als sich der blaurote Bus des FC Barcelona, eskortiert von berittener Polizei und hupenden Culés, wie die Barca-Fans genannt werden, seinen Weg bahnt. Ganz vorne auf dem Verdeck steht der Weltfußballer Ronaldinho, der Mann, der - wie Kapitän Puyol sagt - dem FC Barcelona das Lächeln zurückgab; daneben Torschütze Samuel Eto?o.

Einmal quer durch die Stadt führt ihr Triumphzug, bis zum gigantischen Stadion Camp Nou, dem Stein gewordenen Monument des Nationalbewusstseins der Provinz Katalonien, die große Autonomierechte gegenüber dem Staat Spanien besitzt und trotzdem ständig um noch mehr Unabhängigkeit kämpft. "Die Liebe zu diesem Klub schmerzt so oft, aber heute bin ich glücklich", erzählt ein aufgelöster junger Mann. Auf den Rängen sitzen Greise mit Krückstöcken, Mütter mit Kinderwagen und mittelalte Herren, denen eine Träne über die Wange kullert, als Liedermacher Joan Manuel Serrat die "Barca, Barca, Barca"-Hymne anstimmt.

Es ist eine Mischung aus heiliger Messe und Karneval, die zelebriert wird: Ronaldinho zeigt den Mitspielern ein paar Sambaschritte; jeder Spieler ergreift das Mikrofon, um den Massen sein "Visca el Barca, visca Catalunya", "es lebe Barca, es lebe Katalonien" entgegenzurufen - je nach Herkunft charmant erweitert um ein "Es lebe Mexiko, Galicien, Brasilien". Das Stadion tobt, als Eto?o noch eine Botschaft nach Madrid schickte: "Grüßt den Champion!"

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