Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp im Interview
„Die Schweiz hat uns abgehängt"

Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft beginnt bei der WM in Russland am Samstag das Unternehmen Klassenerhalt. Bundestrainer Uwe Krupp, der das deutsche Team im vergangenen Jahr zurück in die Erstklassigkeit geführt hat, äußert sich im Interview über die sportlichen Aussichten, seine junge Mannschaft und über den fehlenden Reformwillen im deutschen Eishockey.

Uwe Krupp, Sie haben kurz vor der WM in Russland mit ihrer Kritik an der Deutschen Eishockey-Liga und der Forderung nach schnellen Reformen für einigen Wirbel gesorgt. Warum gerade jetzt?

Ich habe es nicht gesagt, weil wir gerade unser letztes Testspiel 1:5 gegen die Schweiz verloren hatten und ich vielleicht sauer war. Ich habe es gesagt, weil es mal gesagt werden musste. Wir brauchen weitgreifende Veränderungen, sonst verlieren wir den Anschluss.

Ihre Forderung nach deutlich weniger Ausländern ist sofort auf Ablehnung gestoßen. Haben Sie das erwartet?

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke sagt genau das, was er immer sagt: Es macht keinen Sinn, die deutschen Spieler werden zu teuer. Sie werden zu teuer, wenn man als zusätzlichen Deutschen einen Mirko Lüdemann oder einen Sascha Goc holt. Wenn man aber einen jungen Spieler holt, wird es nicht zu teuer.

Haben Sie denn Hoffnung, dass Ihre Forderungen irgendetwas bewirken?

Ich weiß nicht, was die DEL auf der Agenda hat. Aber es sind genügend deutsche Spieler da, um eine Ausländerstelle pro Team zu streichen.

Was ist, wenn nichts geändert wird?

Sehen Sie, in drei Jahren haben wir die WM im eigenen Land. Dann können wir träumen vom Sommermärchen oder Wintertraum, oder was die Gebrüder Grimm sonst noch so geschrieben haben. Aber das ist alles Illusion, alles unrealistisch. Niemand sagt, dass es nicht so gut aussieht um die Nationalmannschaft. Und wenn man was sagt, dann heißt es sofort: Das geht nicht.

Ist das für Sie als Bundestrainer nicht frustrierend?

Das hat nichts mit meinem Engagement als Bundestrainer zu tun. Ich arbeite mit dem Spieler, der vor mir steht. Es ändert nichts an meiner Arbeit, ob wir in der A-, B- oder C-Gruppe sind.

Es kommt nicht mal der Zeitpunkt, an dem Sie sagen: Wenn ihr nicht mitzieht, schmeiße ich die Brocken hin?

Nein. Es hat keine Auswirkungen auf meinen Job, ob die DEL bereit ist, das deutsche Eishockey zu unterstützen oder nicht. Auch wenn es nur wenige sind, wir haben deutsche Topspieler. Sonst wären nicht sieben Deutsche in der NHL. Wir haben eine gute Elite, aber nicht die Breite, weil für sie in der Liga kein Platz ist.

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