Eishockey DEL
DEL hofft auf "Sprung in öffentlicher Wahrnehmung"

Mit einem neuen Modus startet die DEL am Donnerstag in die neue Saison. Vor dem Auftakt spricht Geschäftsführer Gernot Tripcke im sid-Interview über die anstehenden Veränderungen.

Mit einem neuen Modus startet die DEL am Donnerstag in die neue Saison. Vor dem Auftakt spricht Geschäftsführer Gernot Tripcke im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) über die anstehenden Veränderungen.

sid: "Herr Tripcke, die Deutsche Eishockey Liga (DEL) startet am Donnerstag in ihre 15. Saison. Wieder gibt es einen neuen Modus. Ist das einzig Beständige die Unbeständigkeit?"

Gernot Tripcke: "Tradition und Kontinuität sind schön, aber davon alleine kann man sich nichts kaufen. Wir haben jetzt 16 Mannschaften, wollten aber weniger Spiele. Die klassische Doppelrunde war deshalb zu viel, also haben wir jetzt einen ungeraden Spielplan, wie er in Nordamerika und auch in Europa völlig üblich ist."

sid: "Der Auf- und Abstieg sollte wieder eingeführt werden. Daraus wurde nichts. Ist das Thema damit erledigt?"

Tripcke: "Wir haben mit dem Deutschen Eishockey-Bund einen Kooperationsvertrag bis 2011. Darin ist vorgesehen, dass keiner absteigt und keiner aufsteigt. Wir haben eine Relegationsrunde angeboten, aber das ist am Widerstand der zweiten Liga und der Oberliga gescheitert. Vor 2011 wird die DEL nicht freiwillig aktiv werden."

sid: "Die Klubs haben ihre Etats gegenüber dem Vorjahr leicht angehoben. Ist die Liga wirtschaftlich gesund?"

Tripcke: "Wir haben zum ersten Mal die Lizenzprüfung ohne Anhörung gemacht. Das heißt, kein Klub musste nachbessern. Die vergangene Saison war finanziell sehr positiv. Außerdem haben wir durch die Zentralvermarktung einen Überschuss im hohen sechsstelligen Bereich an die Klubs auszahlen können."

sid: "Die Eisbären Berlin stoßen durch ihren Umzug in ihre neue Arena in ganz andere Dimensionen vor. Hilft das auch der DEL?"

Tripcke: "Das ist ein Superding. Der Zuschauerzuspruch ist sehr positiv. Ich erhoffe mir auch einen großen Sprung in der öffentlichen Wahrnehmung."

sid: "Und wirtschaftlich?"

Tripcke: "Die Arena gibt Berlin neue Perspektiven. Schon das Beispiel Mannheim zeigt, dass die Großklubs sich mittlerweile kostendeckend tragen. Es ist an vielen Standorten kein Mäzenatentum mehr nötig."

sid: "Die DEL nimmt das Thema Doping mit in die neue Saison. Gleich drei Spieler stehen auf dem Eis, die eigentlich gesperrt sein sollten ..."

Tripcke: "Wenn sie gesperrt werden, werden wir die Sperren übernehmen - auch wenn es natürlich eine juristische Grauzone gibt und mit zivilrechtlichen Klagen zu rechnen ist. Aber diesen Kampf müssen wir ausfechten, denn wir nehmen die Sache ernst."

sid: "Die Diskussionen im Sommer um Florian Busch, Daniel Kreutzer und Aleksander Polaczek haben aber geschadet, oder?"

Tripcke: "Diese ganze Geschichte ist unschön, zum größten Teil überflüssig und schadet definitiv der DEL. Es heißt immer Dopingskandal im Eishockey, dabei gab es gar keinen Dopingfall, sondern nur Verfahrensfehler bei der Nationalmannschaft. Der DEB und die Nada haben viele Sachen gemacht, die unklug waren. Es ist ein Imageschaden zu befürchten, den in erster Linie die DEL-Klubs ausbaden müssen, denn sie müssen Tickets verkaufen. Das trifft den DEB nur beiläufig."

sid: "Wie geht die DEL das Thema Doping an?"

Tripcke: "Wir werden zum 1. Januar den neuen Wada-Code adaptieren, wir werden zusätzlich zu den 100 Wettkampfkontrollen im Jahr dann auch stichpunktartig Trainingskontrollen durchführen. Wir werden einen neutralen Anti-Doping-Richter installieren und Strafen wie die Nada und die Wada verhängen. Wir machen das alles freiwillig und bezahlen alles selber. Das kostet den Steuerzahler keinen Cent."

sid: "Bei vielen Fans dämpfen die Negativschlagzeilen die Euphorie auf die neue Saison ..."

Tripcke: "Wir müssen das Thema langsam beerdigen. Wir sollten nach vorne schauen, ohne die alten Sachen zu vertuschen. Aber es ist an der Zeit, dass Eishockey wieder guten Sport liefert und sportliche Nachrichten produziert."

sid: "Der Anteil der deutschen Spieler hat sich kaum verändert, obwohl die Ausländerquote auf zehn Akteure gesenkt wurde. Woran liegt das?"

Tripcke: "Schon in der letzten Saison haben viele Klubs das Ausländerkontingent nicht komplett ausgeschöpft. Die deutschen Spieler werden aber mehr Eiszeit bekommen und ihre Wertigkeit innerhalb der Mannschaft erhöhen."

sid: "DEL-Rekordspieler Andreas Renz hat angeregt, eine Gewerkschaft zu gründen. Was halten Sie davon?"

Tripcke: "Ich glaube, die Spieler in der DEL haben keinen Grund zur Beschwerde. Deshalb gab es in der Vergangenheit auch keine Gewerkschaft, und auch Versuche, etwa von Verdi, Eishockeyspieler aufzunehmen, haben nicht gefruchtet. Wenn es um die Altersversorgung oder die Zusammenarbeit mit den Spieleragenten geht, kann so eine Interessengemeinschaft positiv sein. Aber ich sehe nicht, dass die armen DEL-Spieler ausgebeutet werden und eine Gewerkschaft brauchen. Sie sind neben ein paar Verwaltungsangestellten die einzigen, die vom deutschen Eishockey leben."

© SID

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