Eishockey DEL
Kölns "Überlebenskünstler" wollen die Überraschung

Im fünften Play-off-Halbfinale zwischen den DEG Metro Stars und den Kölner Haien entscheidet sich heute (14.30 Uhr/live bei Premiere), wer Meister Eisbären Berlin ins Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) folgt.

Selbst Regie-Altmeister Alfred Hitchcock hätte diesen Showdown zu Lebzeiten wohl nicht besser inszenieren können: Alles ist für den Schlussakt des rheinischen Eishockey-Krimis angerichtet. "Eins ist sicher. Die Halle wird brennen", sagte Düsseldorfs Kapitän Daniel Kreutzer mit Hinblick auf das fünfte Halbfinale in den Play-offs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zwischen den DEG Metro Stars und den Kölner Haien heute (14.30 Uhr/live bei Premiere). Am Donnerstag hatten die Kölner im denkwürdigen 170. Derby gegen den Erzrivalen durch das 5:4 (1:0, 1:3, 2:1, 1:0) nach Verlängerung die entscheidende Partie erzwungen.

Haie-Ausgleich in buchstäblich letzter Minute

Dabei erwiesen sich die Domstädter in einem der besten Spiele der DEL-Geschichte als wahre "Überlebenskünstler" und konnten das Saison-Aus erst in buchstäblich letzter Minute noch verhindern. Düsseldorf hatte bis zur 59. Minute das kompaktere, diszipliniertere und überzeugendere Team gestellt und den ersten Finaleinzug seit dem Titel 1996 dicht vor Augen. Der Ausgleich durch Routinier Bill Lindsay 56 Sekunden vor Ende des dritten Drittels versetzte den Düsseldorfern aber einen Schock. Als Sieger der dramatischen Begegnung durften sich die Zuschauer und die Eisbären Berlin fühlen. Der Titelverteidiger steht seit dem dritten Sieg gegen die Hannover Scorpions bereits als Finalist fest und kann sich auf einen körperlich wie emotional vielleicht ausgelaugten Gegner freuen.

Dafür bot die Verlängerung des achten Saison-Duells der beiden achtmaligen Meister alles, was das Eishockey zu bieten hat. Köln spielte die DEG plötzlich an die Wand, vergab zwei Überzahlsituationen, stand nach einem dummen Wechselfehler plötzlich selbst mit einem Mann weniger auf dem Eis, erhielt dennoch einen Penalty und vergab ihn durch den Tschechen Jan Alinc. Haie-Coach Hans Zach tobte mit puterrotem Kopf an der Bande entlang, befürchtete wohl schon einen unglücklichen Abschied aus Köln.

"Kill Bill" besorgt "Sudden Death" der DEG

Nach mehr als 70 Minuten luchste schließlich Lindsay, von der Kölner Boulevard-Presse wegen seiner Torjägerqualitäten "Kill Bill" genannt, dem Belgier Mike Pellegrims den Puck ab und kürte somit noch den Helden und den Verlierer des Abends. Während der DEG-Verteidiger wie vom Blitz getroffen zusammensackte, war der 34 Jahre alte US-Kanadier Lindsay nach seinem zweiten Treffer des Abends der gefeierte Mann.

Die große Frage nach dem ständigen Wechselbad der Gefühle war nun, welches Team mit einem psychologischen Vorteil in das Spiel heute geht. Die DEG kann der Statistik vertrauen, denn die vier Saison-Heimspiele gegen die Haie gewannen sie alle. "Ein fünftes Spiel ist immer etwas Besonderes. Da gilt der Heimvorteil nicht mehr so viel", gestand Kreutzer, wohl wissend, dass ein Ausscheiden im letzten Spiel an der Brehmstraße die Stimmung nach der starken Saison deutlich trüben würde. "Kein Mensch hätte gedacht, dass wir so weit kommen", sagte der Nationalspieler: "Aber wir müssen uns jetzt einfach aufrappeln und dieses Spiel gewinnen."

Lüdemann stellt neuen Klub-Rekord auf

Kölns Kapitän Mirko Lüdemann hatte sogar doppelt Grund zur Freude. Der Verteidiger, seit 1993 beim KEC, übertraf mit seinem 691. Pflichtspiel den Klub-Rekord des früheren Nationaltorhüters Peppi Heiss. "In dem Sieg sehe ich keinen großen psychologischen Vorteil", sagte der 31-Jährige: "Schließlich hat die DEG drei Tage Zeit, sich zu berappeln. Aber dass sie den Druck haben, zu Hause zu spielen, das könnte unser Vorteil sein."

Zach wirkte nach der Partie erstaunlich zahm. "Wir dürfen uns nicht von Schiedsrichter-Entscheidungen aus dem Konzept bringen lassen, die diesmal einwandfrei waren", lobte der "Alpenvulkan" Rick Looker, obwohl dieser Alex Hicks mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe belegt hatte. "Vor meiner Mannschaft muss ich aber den Hut ziehen", so Zach weiter: "Sie hat aufopferungsvoll gekämpft. Wie immer in den vier Jahren, die ich hier bin. Das macht mich unheimlich stolz. Egal, wie diese Saison ausgeht."

© SID

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