Eishockey DEL
Rekordmann Renz plant Spielergerwerkschaft

Andreas Renz von den Kölner Haien macht sich für die Einführung einer Interessenvertretung der DEL-Spieler stark: "Wir wollen mit einer Stimme sprechen und gehört werden."

Er hat fast 800 Spiele in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auf dem Buckel, ist seit fast 15 Jahren Profi, doch nach seiner Meinung wurde Andreas Renz nur selten gefragt. Das soll sich ändern: Der Verteidiger der Kölner Haie will eine Interessenvertretung der DEL-Spieler ins Leben rufen. "Die Klubs konnten mit den Spielern machen, was sie wollen. Wir wurden nie gefragt. Aber jetzt wollen wir mit einer Stimme sprechen und gehört werden", sagt der DEL-Rekordspieler.

"Alle sagen: Das fehlt im Eishockey"

Erste Gespräche mit Anwälten hat der 31-Jährige bereits geführt, auch den Kontakt zu anderen Gewerkschaften will er knüpfen. Vor allem jedoch hat er von vielen Berufskollegen Unterstützung für seine Idee bekommen. "Die Resonanz ist riesengroß. Alle sagen: Das fehlt im Eishockey, das brauchen wir", berichtet der 165-malige Nationalspieler.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke ist dagegen skeptisch. "Ich sehe nicht, dass die armen DEL-Spieler ausgebeutet werden und eine Gewerkschaft brauchen", sagt der Düsseldorfer Rechtsanwalt: "Sie sind neben ein paar Verwaltungsangestellten die einzigen, die vom deutschen Eishockey leben."

Renz geht es bei seiner Initiative vor allem ums Mitreden. Ob bei den DEL-Standardverträgen, beim Strafenkatalog, beim Spielplan oder der Größe der Liga - "uns hat man nie gefragt", sagt der gebürtige Schwenninger, der wie die DEL in seine 15. Profisaison geht.

Neunmonatsverträge und unübersichtliche Spielpläne

So ärgert ihn und viele andere DEL-Profis, dass viele Klubs immer noch Neunmonatsverträge aushändigen und sich die Spieler im Sommer arbeitslos melden müssen. Dass am zweiten Weihnachtstag mitunter die längste Auswärtstour der Saison ansteht. Und dass die Liga immer weiter aufgestockt und der Spielplan immer unübersichtlicher wird. "Eine Zwölferliga mit Auf- und Abstieg wäre das Beste, das sehen auch die meisten Spieler so", sagt Renz.

Eine Gewerkschaft, wie es sie unter dem Namen "Vereinigung deutscher Eishockeyspieler (vde)" in den 90er Jahren schon einmal gab, hält Tripcke aber für überflüssig: "Die Spieler in der DEL haben keinen Grund zur Beschwerde. Deshalb gab es in der Vergangenheit auch keine Gewerkschaft, und auch Versuche, etwa von Ver.di, Eishockeyspieler aufzunehmen, haben nicht gefruchtet."

Renz sieht weniger die gescheiterte vde oder die mächtige Nhlpa in Nordamerika als Vorbild: "Das wäre viel zu hoch gegriffen. " Ihm schwebt vielmehr vor, einen Ansprechpartner für Spieler zu schaffen, die Unterstützung brauchen. Etwa im Falle des Nationalspielers Stefan Schauer, der seit 2006 wegen einer rätselhaften Erkrankung kein Spiel mehr bestritt und "jetzt auf sich allein gestellt ist", so Renz.

Oder beim leidigen Thema Dopingkontrollen, bei dem Verstöße von Nationalspielern für Negativschlagzeilen sorgten. "Da brauchen wir alle Unterstützung", sagt Renz. Dass der Düsseldorfer Daniel Kreutzer und der Nürnberger Aleksander Polaczek, die gegen die Meldeauflagen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) verstießen, auf eigene Faust Anwälte suchen müssten, sei auf Dauer nicht haltbar.

Felski und Boos mit an Bord

Mitstreiter hat Renz schon in den Routiniers Sven Felski (Eisbären Berlin/33) und Tino Boos (Hannover Scorpions/33) gefunden. Bei den nächsten Länderspielen will er mit den Nationalspielern über seine Initiative sprechen. Dann sollte von jedem Klub ein Spieler als Ansprechpartner gewählt werden, und schließlich "wollen wir auf einer DEL-Sitzung unsere Meinung sagen".

© SID

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