Eishockey
Eine Liga in finanzieller Schieflage

Insolvente Vereine, fluchende Funktionäre, untreue Sponsoren: Die deutsche Eishockey-Liga befindet sich in der Krise. Jetzt droht vielen Clubs die Pleite, weil sie von Alleingesellschaftern abhängen. Der Verband träumt derweil von neuen Rekorden.

BERLIN. Als der Deutsche Eishockey Bund (DEB) Anfang der Woche verkündete, er peile mit dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2011 in der Schalke-Arena einen neuen Zuschauer-Weltrekord für Eishockeyspiele an, da konnte man das auch als kleines Weihnachtsgeschenk verstehen. Quasi als PR-Präsent für die Deutsche Eishockey Liga (DEL), die gerade in den letzten Wochen wieder mal Negativschlagzeilen am Fließband produzierte. Drohende Insolvenzen, ein dramatischer Zuschauerschwund und der Hick-Hack um einen veränderten Spielmodus mit Auf- und Abstieg – auch 14 Jahre nach ihrer Gründung wirkt die DEL wie ein störrischer Adoleszent, der seine Kinderkrankheiten nicht ablegen kann. Und so war es nur konsequent, dass auf die kleine Zuwendung der nächste Eklat folgen musste.

„Ich werde den Laden schließen, wenn ich keine Unterstützung von Region und Land bekomme“, hatte Günter Papenburg, der Klubeigner von Spitzenreiter Hannover Scorpions, schon am Sonntag gedroht. Nun scheint klar: Unterstützung gibt es keine. Vielmehr muss Papenburg nach einem Gerichtsurteil 2,5 Millionen für den Bau der TUI-Arena zurückzahlen. Papenburg, der zuerst die Multifunktionshalle und dann den Eishockeyverein übernommen hatte, will eben dies nicht tun. Gestern blieb ein Treffen mit Oberbürgermeister Weil und Vertretern der Landesregierung um eine stärkere öffentliche Beteiligung an der Arena ergebnislos – der nächste DEL-Standort ist in finanzieller Schieflage.

Schon im November hatten die Nürnberger Ice Tigers die DEL-Oberen aufgeschreckt. Zwar hatten sich die Mit-Gesellschafter der Liga schon daran gewöhnt, dass alle Jahre in der Vorweihnachtszeit die Alarmglocken in Nürnberg klingelten, weil der Klub in Finanznöte geraten war. Diesmal allerdings schien die Angelegenheit ernst zu sein: Die angeschlagenen Ice Tigers hatten die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Mittlerweile konnte durch eine Einigung mit dem Nürnberger Multi-Unternehmer und Alleingesellschafter Günter Hertel zwar der Spielbetrieb bis Saisonende gesichert werden. Doch in der Pleite der Ice Tigers offenbaren sich strukturelle Schwächen, die auch an anderen DEL-Standorten zu spüren sind. Die Klubs kassieren zwar auch aus dem Fernsehvertrag mit „Premiere“, aber die Hälfte ihrer Einnahmen stammen von regionalen Unternehmen. Fallen diese als Sponsoren weg, so wie bei den Ice Tigers im vorigen Jahr Wöhrl und Lebkuchen Schmidt, sind die Klubs völlig abhängig von den Zuschüssen ihrer Alleingesellschafter.

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