Eishockey
Erst- und Zweitligisten streiten um Relegation

Im deutschen Eishockey will sich die Gesamtsituation nicht beruhigen. Nach der Einigung zwischen Profiklubs und Verband über die Zukunft des Nationalteams geraten nun Erst- und Zweitligisten aneinander.

KölnVor einem Jahr schien die Zukunft des deutschen Eishockeys rosig: Bei der WM im eigenen Land erreichte Deutschland das Halbfinale, nur knapp wurde ein Besucherrekord verfehlt. Die Ernüchterung folgte rasch: Statt eines Booms stagnierten die Zuschauerzahlen, die Liga und der nationale Verband DEB stritten um die künftige Zusammenarbeit. Ende April lief der alte Kooperationsvertrag aus - das Nationalteam drohte nur noch aus Amateuren zu bestehen. Letzten Freitag legten die Verantwortlichen den Streit bei - heute wollen sie einen neuen Vertrag bis 2018 vorstellen.

Einigung erzielt, Chance vertan: Zwar ist die Basis für eine gemeinsame Zukunft gelegt. Alfons Madeja, Professor für Sportmanagement an der Hochschule Heilbronn, sieht den Kompromiss jedoch kritisch: "Das deutsche Eishockey hat eine Riesenchance vertan, seine Kernprobleme zu lösen."

Gerangel um die Relegation

Hauptgrund ist die Abschottung der DEL von der zweiten Liga - einen Auf- und Abstieg soll es nicht mehr geben. "Bei den Ligen im Basketball, Handball oder Fußball funktioniert das auch", kritisiert Oliver Seeliger, der Geschäftsführer der Zweitliga-Betriebsgesellschaft ESBG. "Warum die DEL solche Hürden aufbaut, ist mir ein Rätsel."

Die Erstligisten wehren sich: Eine vorgeschlagene Relegation habe die ESBG abgelehnt. Doch das Veto hat seine Gründe: Der Spielplan hätte gestrafft werden müssen, zudem wären die Relegationsspiele erst ab 2013 möglich gewesen. "Wären wir den Vorstellungen der DEL gefolgt, hätten wir uns verbiegen müssen", sagt Seeliger.

Kaum zu erfüllen auch die wirtschaftlichen Anforderungen: Dieses Jahr bekam der Zweitligameister Ravensburg keine Erstligalizenz, weil er durch das Punktesystem der DEL fiel. Das bemisst sich auch an der Zuschauerkapazität und der Zahl der VIP-Plätze. Die Eissporthalle Ravensburg fasst nur 3300 Besucher. Selbst bei ausverkauftem Haus würde der Klub im DEL-Zuschauerranking auf dem vorletzten Platz landen.
"Kaum ein Zweitligaklub besitzt die infrastrukturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, um in der ersten Liga mitzuspielen", sagt DEL-Pressesprecher Alexander Morel. ESBG-Geschäftsführer Seeliger kontert: Man müsse jedem Verein selbst überlassen, wie viele Leute er ins Stadion lasse.

Forscher Madeja verweist auf die Wünsche der Fans: Einer Studie zufolge befürworten 76 Prozent eine Auf- und Abstiegsregel. "Das ignoriert die DEL völlig", sagt er. Nicht das einzige Problem: Der Spielmodus verringere die Attraktivität des Eishockeys. Die Klubs ermitteln den Meister erst am Saisonende in Play-off-Spielen. In der Vorrunde gehe es so meist nur "um die goldene Ananas", sagt Madeja. Ohne Play-offs sei jedes Spiel wichtig - "klar, dass auch mehr Fans kommen".

Zumindest bei der Nationalmannschaft gibt es eine Lösung: eine gemeinsame Organisation von Liga und DEB soll die Kosten tragen und bei der Vermarktung neue Einnahmequellen erschließen. Die DEL gibt an, jährlich rund 2,5 Millionen Euro für Versicherungen und Gehälter zu zahlen, wenn die Spieler für das Nationalteam im Einsatz sind. Dafür bekommt sie nun mehr Mitspracherechte. Doch Madeja ist skeptisch: "Eine neue Organisation löst keine Meinungsprobleme. Außerdem kann der DEB das Nationalteam gut allein vermarkten - das haben wir bei der WM gesehen."

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