Eishockey-Hallen
Das Ende der Eiszeit

Eishockey-Teams könnten künftig auf Kunststoff-Böden spielen. Weil zuviel Energie benötigt wird, um die Eisflächen auf Temperatur zu halten, wollen die Betreiber das Eis durch Hartplastik ersetzen. Experten sind skeptisch, ob sich die neue Technik durchsetzen kann.

KÖLN. Steigende Energiekosten bringen die Betreiber von Eisstadien ins Schwitzen. Angesichts hoher Kosten für die Kühlung der Eisflächen lässt sich mit den Anlagen kein Geld verdienen. „Trotz der fast ganztägigen Auslastung der Hallen durch Vereine und Freizeitsportler sind die Stadien für die Kommunen ein großes Zuschussgeschäft“, sagt Niclas Stucke, Sportreferent beim Deutschen Städtetag

Eine kostengünstige Alternative zum Energie fressenden Kunsteis kommt aus Nürnberg von der Firma Fun Trade. Peter Weiß, dem Gründer des Unternehmens, fiel beim Schneiden von Grillfleisch auf, wie mühelos das Messer auf seinem Kunststoffbrett hin und her glitt. Drei Jahre nach dem Barbecue will Weiß nun mit dieser Entdeckung den Eishockeysport revolutionieren: Platten aus Polyethylen, einem Hartkunststoff, sollen das Eis ersetzen. „Man kann quasi überall innerhalb von ein paar Stunden eine Eisbahn entstehen lassen. Ohne Wasser, ohne Strom“, sagt der Unternehmer.

Ganz unkompliziert und in jeder beliebigen Größe: Die Kunststoffplatten lassen sich per Nut-und-Feder-System aneinander stecken – dadurch entsteht eine ebene Fläche ohne Kanten und Fugen. Und strapazierfähig sei das Ganze außerdem, der Hersteller verspricht zehn Jahre Haltbarkeit.

Ebenfalls Eissport bei Zimmertemperaturen ermöglichen will das Unternehmen Skate Run. Die Schweizer entwickelten unlängst einen Boden auf Wachsbasis. Wie beim Kunststoffboden sollen Sportler auch dafür ganz normale Schlittschuhe benutzen können.

Fachleute reagieren allerdings verhalten auf die angeblich revolutionären Flächen für Eisstadien. „Dafür ist das Ganze noch viel zu wenig erforscht“, sagt Michael Pfuhl, technischer Direktor beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB). „Wir wissen nicht, wie sich der neue Boden mit dem Leistungssport verträgt – gerade, was die Beanspruchung der Muskeln und Gelenke angeht.“

Bei Eis habe man Einfluss auf den Härtegrad, nicht zuletzt deshalb sei Eismachen eine regelrechte Kunst, sagt Pfuhl. „Ich glaube nicht, dass Kunststoff diese Möglichkeiten bietet.“ Fraglich sei zudem, wie die Fans auf die Veränderung reagierten. „Ich könnte mir vorstellen, dass es einen Aufschrei gibt, wenn plötzlich auf Plastik gespielt würde.“ Grundsätzlich aber sei er von der Idee durchaus angetan. „Für das Training ist das eine gute Sache. Alles andere muss sich entwickeln“, sagt Pfuhl.

Schon einmal getestet hat den neuen Belag Rodion Pauels, Sportlicher Leiter beim Eishockey-Klub Kölner Haie. „Das Fahrgefühl ist ein anderes. Man merkt die fehlende Gleitfähigkeit“, sagt der Fachmann. „Bis man das bei den Profis einsetzen kann, dauert es noch.“

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