Eishockey National
Eine Eishockey-Ikone wird 70

1 963 wäre Joachim Ziesche um ein Haar in die NHL gewechselt - doch der DDR-Verband legte sein Veto ein. So wurde der Nationalspieler in der Heimat zum Helden. Heute wird er 70.

Joachim Ziesche will noch eine ganze Weile die Freuden des Lebens genießen, doch eines hat er bereits abgehakt. "Spitzen-Eishockey eines deutschen Nationalteams werde ich wohl nicht mehr erleben. Dafür ist die Nachwuchsarbeit in Deutschland zu planlos und zu schlecht", sagt der frühere Nationalspieler der ehemaligen DDR, der am heutigen Freitag seinen 70. Geburtstag feiert.

Ziesche stand während seiner aktiven Zeit wie kaum ein anderer in der DDR für hochklassiges Eishockey. Als einer der ersten deutschen Spieler überhaupt erhielt der gebürtige Dresdner 1963 ein Vertragsangebot aus der nordamerikanischen Profiliga NHL. Allerdings verbot damals der DDR-Verband einen Wechsel.

"Bitterste Stunde meiner Karriere"

Mit der Willkür der DDR-Funktionäre hatte Ziesche seine ganze Karriere über zu kämpfen. So bezeichnet der achtmalige WM-Teilnehmer den Befehl, die DDR-Oberliga von acht Vereinen auf die beiden Dynamo-Klubs aus Berlin und Weißwasser zu reduzieren, als "bitterste Stunde meiner Karriere. Die Maßnahme ging mir schwer an die Nieren", sagt Ziesche.

Auch die politische Rivalität zwischen Ost und West, die sich auf dem Eis widerspiegelte, bleibt Ziesche in negativer Erinnerung. "Wir Eishockeyspieler mussten das ausbaden, was sich die kalten Krieger in den beiden deutschen Staaten ausgedacht hatten. Unsere Olympiaqualifikationen waren richtig von Hass getragen", sagt Ziesche und erinnert sich: "Bei der WM 1983 wurden wir in Dortmund mit Colabüchsen beworfen und übel beschimpft. Dabei waren wir mit unseren 50 Eishockeyspielern längst nicht mehr auf Augenhöhe mit dem Westen."

112 Tore in 197 Länderspielen

Ziesche aber brauchte den Vergleich nicht zu scheuen. In 197 Länderspielen für die DDR erzielte er 112 Tore. Mit seinem Klub SC Dynamo Berlin, dem Vorgänger von Meister Eisbären Berlin, gewann der Stürmer viermal als Spieler und elfmal als Trainer die DDR-Meisterschaft. 1966 holte der 1,97m große Spieler bei der EM die Bronzemedaille. 1999, als er schön längst seine Karriere beendet hatte, folgte der Ritterschlag: Ziesche wurde in die "Hall of Fame" des Weltverbandes aufgenommen.

Selbst mit 70 Jahren jagt Ziesche auf dem Eis noch der Hartgummischeibe hinterher, wenn er sich bei den "Alten Herren" der Eisbären fit hält. In Berlin wird der Kult-Stürmer nach wie vor verehrt. Seit 2004 hängt sein Trikot mit der Nummer sechs unter dem Dach des Wellblechpalastes.

Das "Eishockey-Gen" hat Ziesche an seine Söhne vererbt. Steffen wurde 2003 mit den Krefeld Pinguinen deutscher Meister und ist nun Manager der Dresdner Eislöwen. Jens ist Mannschaftsarzt der Eisbären.

© SID

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