Eishockey Nationalmannschaft
Eishockey-Exot Israel fordert DEB-Team zum Auftakt

Zum Auftakt der B-WM in Amiens trifft die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft heute (13.00 Uhr) auf Israel. Mit einem Sieg gegen den Eishockey-Exoten soll das Ziel Wiederaufstieg ins Visier genommen werden.

Ausgerechnet zum Beginn des Unternehmens Wiederaufstieg muss die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft eine Reise ins Ungewisse antreten. "Ich weiß nichts, überhaupt nichts", gab Kapitän Stefan Ustorf vor dem Auftaktspiel bei der B-WM in Amiens zu, als er nach dem ersten Gegner gefragt wurde. Eishockey-Exot Israel, gegen den das Team von Bundestrainer Uwe Krupp heute (13.00 Uhr/live im DSF) antritt, ist ein Buch mit sieben Siegeln.

"Ich habe mal gehört, dass da lauter eingebürgerte Russen spielen. Aber ich weiß nicht, ob es stimmt", sagte Ustorf über den Aufsteiger, der erstmals in seiner erst 14-jährigen Eishockey-Geschichte gegen Deutschland spielt. Ein wenig mehr weiß Krupp, denn Israels unerwartete Erfolgsgeschichte mit dem Puck hat einen kanadischen Autor. Jean Perron, 1986 mit den Montreal Canadiens Stanley-Cup-Sieger, trainiert die Puckjäger aus dem Heiligen Land. "Er wird nicht mit einer Mannschaft antreten, die nicht konkurrenzfähig ist", sagte Krupp, der den Kanadier aus seiner Zeit in der NHL kennt.

Spiel-Vorbereitung aus "zweiter Hand"

Die Liste mit Spielern wie Shlomo Levy oder Erez Eizenman hat der Bundestrainer gesehen, viel mehr aber auch nicht. "Man kann ja nicht einfach beim Weltverband anrufen und ein Video von Israel bestellen", sagte Krupp, der sich auf Informationen aus zweiter Hand verlassen muss: "Wir haben mit ein paar Leuten gesprochen, die schon gegen sie gespielt haben."

Abenteuerliche Geschichten, dass in Kanada und den USA Eishockey-Profis mit jüdischen Wurzeln angeworben und auf die Schnelle zu Nationalspielern gemacht würden, bewahrheiteten sich nicht. "Sie haben versucht, sechs Kanadier für die B-WM zu melden, aber die sind nicht spielberechtigt", berichtete Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), und ergänzte: "Es spielt jetzt die gleiche Mannschaft, die letztes Jahr aufgestiegen ist."

Einige Spieler russischer Herkunft, ein US-Student, ein ehemaliger Frankreich-Profi und ein 37 Jahre alter Torwart, der einst für Zska Moskau spielte und jetzt mit seinen Teamkollegen in der einzigen Eisarena des Landes an der Grenze zum Libanon trainiert, sollen auf dem Weg zurück in die A-Gruppe aber kein Hindernis sein.

"Wir gehören hier einfach nicht hin"

Auch wenn der erste Gegner unbekannt ist, das Ziel für Ustorf und Co. in der Picardie ist klar: Wiederaufstieg. "Ich behaupte, wir gehören hier einfach nicht hin, sondern in die A-Gruppe", sagte der Berliner: "Aber wir haben uns die Suppe selber eingebrockt, jetzt müssen wir sie auch auslöffeln." Ustorf selbst fehlte verletzt, als die DEB-Auswahl vor einem Jahr abstieg. Aber neun andere im Team wollen wiedergutmachen, was sie beim WM-Debakel in Österreich angerichtet haben.

Andere Versager von 2005 wie die Torjäger Klaus Kathan und Eduard Lewandowski oder Weltenbummler Jan Benda sortierte Krupp überraschend aus. In Amiens setzt der zweimalige Stanley-Cup-Sieger ganz auf die Jugend: Neun Spieler aus dem 22-köpfigen Kader sind jünger als 23 Jahre, das Durchschnittsalter beträgt 24,6 Jahre. In Christoph Gawlik, Felix Schütz und Philipp Gogulla sind sogar drei 18-Jährige dabei. "Die Jungen sind wild, hungrig und voller Energie", hat der 32-jährige Ustorf festgestellt.

NHL-Profi Sturm der Hoffnungsträger

Auf ihren Schultern - und vor allem denen von NHL-Star Marco Sturm - lastet die Verantwortung für die Zukunft des deutschen Eishockeys. Denn allen Beteiligten ist klar, dass nur der sofortige Wiederaufstieg den Sturz in die Bedeutungslosigkeit, der sich in schwachen TV-Quoten bei den Olympischen Spielen in Turin und erschreckend niedrigen Zuschauerzahlen bei den Vorbereitungsspielen bereits andeutete, stoppen kann.

Nach Israel sind am Dienstag (16.30 Uhr) Japan, am Donnerstag (16.30 Uhr) Großbritannien, am Samstag (20.00 Uhr) Ungarn und am Sonntag (20.00 Uhr/alle live im DSF) Gastgeber Frankreich die Gegner, nur der Erste steigt auf. "Da ist ein gewaltiger Brocken aus dem Weg zu räumen", sagte Reindl. Der Bronzemedaillengewinner von 1976 betonte zwar, dass "wir unbedingt wieder rauf wollen", machte sich aber auch schon Gedanken über ein mögliches Scheitern: "Mir ist nicht bange, wenn es nicht klappt. Mit den jungen Spielern haben wir eine Perspektive, die Zukunft steht." Die kommende Woche entscheidet, ob sie erst- oder zweitklassig ist.

© SID

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