Eishockey NHL
NHL-Gründung jährt sich zum 90. Mal

Eine große Feier wird es zum 90. Jubiläum der nordamerikanischen Profi-Eishockeyliga NHL wohl nicht geben. Ob es an den unrühmlichen Umständen bei der Gründung am 22. November 1917 liegt, ist nicht bekannt.

Am 22. November 1917 trafen sich die Bosse von vier Eishockey-Klubs im Hotel Windsor in Montreal, um sich nach 15 Jahren Profi-Eishockey in Kanada eines ihrer zahlreichen Probleme zu entledigen. Dass sie damit Geschichte schreiben würden, hatten die die Klubbesitzer aus Montreal, Ottawa und Quebec sicherlich nicht im Sinn. Die Bosse hatten sich mit dem Eigner aus Toronto verkracht und gründeten kurzerhand ohne ihn eine neue Liga - die National Hockey League (NHL).

Dass diese Liga 90 Jahre später 1,7 Mrd. Dollar umsetzen und den kanadischen Nationalsport unter die Palmen Floridas und in die Wüste Arizonas bringen würde, konnten die Gründerväter um Frank Calder, den ersten NHL-Präsidenten, nicht ahnen. Genauso wenig hätten sie geglaubt, dass ausgerechnet ein Klub aus Toronto, den sie damals nicht haben wollten, heute mit einem Wert von 413 Mill. Dollar die Nummer eins der Branche ist.

Nach der Gründung flogen die Fäuste

Vielleicht liegt es an den unrühmlichen Begleitumständen, dass die NHL ihr Jubiläum bisher weitgehend ignoriert. Erst zum 26. November, als die damalige Gründungssitzung endete, will man etwas machen, hieß es aus der Presseabteilung. Kurz nach der Gründung flogen die Fäuste - nicht auf dem Eis, sondern außerhalb. Der ausgetrickste Klubbesitzer aus Toronto, Eddie Livingstone, schickte ein paar Mann zur Arena der Montreal Canadiens, um sie vom Spielen in der neuen Liga abzuhalten. Doch mit handfesten Argumenten vertrieben einige angeheuerte Schlägertypen die Eindringlinge - und der heutige NHL-Rekordmeister konnte aufs Eis gehen.

Was 1917 mit den Canadiens, den Montreal Wanderers, den Ottawa Senators, den Quebec Bulldogs und dem nach der Versammlung aufgenommenen neuen Team aus Toronto, den Arenas und heutigen Maple Leafs, als rein kanadische Angelegenheit begann, ist heute Big Business vorwiegend in den USA. 24 der 30 NHL-Klubs sind südlich der Grenze beheimatet, neben den Canadiens und den Maple Leafs sowie den 1992 zurückgekehrten Senators sind die Vancouver Canucks, die Calgary Flames und die Edmonton Oilers die letzten verbliebenen kanadischen Teams.

Expansion auf 30 Teams

Nach schwierigen Zeiten zwischen Weltwirtschaftskrise und Weltkrieg und 23 Jahren mit den sogenannten "Original Six" expandierte die Liga in den 60er und 70er Jahren zunächst auf 21 Teams, erlebte in den 80er ihre Glanzzeit mit den Superstars Wayne Gretzky und Mario Lemieux. Mit drei Arbeitskämpfen und der weiteren Expansion auf 30 Klubs häuften sich aber danach die Probleme.

Ohne lukrativen Fernsehvertrag in den USA und mit ständig sinkenden Einschaltquoten ist die NHL in den vergangenen Jahren - vor allem nach der Absage der kompletten Saison 2004/05 - hinter Football, Baseball und Basketball weit zurückgefallen. Selbst Pokern, Wrestling oder Hallen-Football haben die Eishockey-Cracks am Bildschirm mittlerweile überholt.

Deshalb mehren sich die Stimmen derer, die wieder mehr Klubs im Eishockey-Mutterland sehen wollen. "40 Prozent des Liga-Umsatzes kommt aus Kanada", behauptete Ottawas Klubchef Eugene Melnyk und erntete prompt den Widerspruch von NHL-Commissioner Gary Bettman, es sei "deutlich weniger". Zuletzt gab es Gerüchte, die erst 1998 aufgenommenen Nashville Predators könnten nach Hamilton in Ontario umziehen.

© SID

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